Kommentar
Den Kampf gegen Drogen aufgeben?
Hat Dick Marty resigniert? Der Tessiner Ständerat sagte dem österreichischen «Kurier», das Verbot harter Drogen habe «in eine totale Pleite geführt». Wer wolle, bekomme die Rauschmittel; die Mafia sahne ab, vor Gericht kämen «immer nur die Kleinen», während die Bosse beste Beziehungen zur Wirtschaft hätten und «kaum gestört» würden.
Marty zöge es vor, auch harte Drogen zu legalisieren und zu besteuern, ähnlich wie Alkohol und Tabak. Der Schweizer Staat habe in den 90er Jahren mit der Verteilung von Heroin an Abhängige die Beschaffungskriminalität gesenkt. Eine Drogenfreigabe sei aber nur im internationalen Gleichklang möglich – und das sei unrealistisch.
Neben dem FDP-Mann Marty, dem man eine jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Drogenbusiness zugute halten muss, denken auch vom Bund beauftragte Fachleute eine Legalisierung harter Drogen an – obwohl die Schweiz damit in Europa ganz quer läge.
Im Drogenelend (zu dem Aufputschmittel immer mehr beitragen) spiegeln sich Illusionen der individualistischen Gesellschaft. So sehr die Freiheit des Einzelnen hochgejubelt wird, handelt er doch in der Regel nicht frei, sondern abhängig von Regungen, die er nicht überblickt, abhängig auch von andern – peer pressure. Er handelt oft nicht rational, sondern verdrängt, was er erkannt hat. Er stellt den kurzfristigen Glückszustand (im Rausch) über die Sorge für die Gesundheit, die ihn, wäre er vernünftig, leiten würde. Die lustbetonte Gesellschaft, die keine Werte kennen will, entspricht diesen Neigungen mit Events für den massenhaften Rausch.
Der Rausch soll über das Sinnvakuum und Enttäuschungen hinwegtragen. Er tut es nicht. Wer per Droge abhebt, kann keine Schritte tun. Und darum gibt es, trotz den Misserfolgen im Kampf gegen die Drogenmafia, keine Alternative zum Verbot. Es ist Zeit, die grundlegende Illusion abzuräumen: Das Böse ist mit Legalisierung nicht zu zähmen. Verliert die Droge den Reiz des Verbotenen, wird sie doch nicht harmlos. Wie kommen wir dazu, dass Jugendliche aus gesundem Selbstbewusstsein auf den Stoff verzichten?

