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Wenn andere abstimmen könnten...

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Europa und die Muslime: Bild von den Protesten in London nach der Publikation von Mohamed-Karrikaturen (2006).
Das Schweizer Minarettverbot provoziert international und interkontinental Reaktionen. Mit einem Schlag steht Helvetia in einem anderen Licht. Beschimpfungen und Drohungen sind zu gewärtigen.

Dabei gilt es vorweg festzuhalten, dass kein grösseres Land in unseren Breiten einen derart hohen Ausländeranteil von 21 Prozent hat. Die Schweizer leben mit Ausländern - doch rücksichtslose Fremde (aus allen Himmelsrichtungen!) stossen ihnen sauer auf. Die Offenheit kommt an ihre Grenzen, wenn militante Religiosität - auch unterschwellig - im Spiel ist.

Die Mehrheit der Stimmenden, die sich am Wochenende um die Meinung der eigenen Elite foutierte, wird sich auch von ausländischen Politikern und Religionsvertretern nicht sagen lassen, was recht und billig ist. Wenn der ägyptische Grossmufti Ali Gomaa in der neuen Verfassungsbestimmung eine «Beleidigung» für alle Muslime sieht, verwechselt er Bauten mit der Religion, der sie dienen.

Der Zentralrat der Ex-Muslime in Deutschland begrüsste das Nein zu Minaretten als «Signal gegen Islamismus, Scharia und Kopftuchzwang». Die Zentralratsvorsitzende Mina Ahadi wünscht eine breitere Debatte über die Beschneidung von Frauen- oder Kinderrechten.

Es geht um dies und noch mehr, wie Stéphanie Le Bars in «Le Monde» andeutet. «Ist der Islam kompatibel mit den europäischen Gesellschaften? Kann er ein Element der nationalen Identitäten werden, die den Kontinent geschmiedet haben?» Die Schweizer hätten zu Minaretten Nein gesagt und es sei nicht sicher, dass andere Wähler anders entscheiden würden - wenn sie bloss Gelegenheit bekämen, darüber zu befinden. Es gehe im Grunde nicht bloss um den Islamismus, schreibt Le Bars, sondern um die Präsenz des Islam auf christlichem Boden (terres chrétiennes). - Erstaunlich übrigens, dass Frankreich mit seinen 5-6 Millionen Muslimen bloss zehn (hohe) Minarette zählen soll...

Ohne Konkurrenz durchs Minarett bleibt die Kirche im Dorf - aber seien wir nüchtern: Die meisten Schweizer kommen im Alltag ohne sie aus. Zerfallen ist mit der Privatisierung von Religion die Bindekraft der eigenen Tradition. Dieses Problem wird durch das Nein zu Minaretten nicht gelöst, sondern erst recht bewusst.

Dossier zum Thema: Minarette in der Schweiz
Datum: 01.12.2009

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