11. Vollversammlung des WLB
Lutheraner aus aller Welt treffen sich in Stuttgart
Unter dem Thema «Unser tägliches Brot gib uns heute» tagt in Stuttgart der Lutherische Weltbund. Er trifft sich dort vom 20. bis 27. Juli zu seiner 11. Vollversammlung. Die Delegierten werden sich ausser mit der Armut auch mit anderen teils sehr umstrittenen Themen auseinandersetzen.An dem Kirchentreffen, zu dem die Evangelische Landeskirche in Württemberg einlädt, nehmen rund 400 Delegierte aus 140 Mitgliedskirchen und über tausend weitere Tagungsteilnehmer teil. Das Hauptreferat der Veranstaltung wird am 22. Juli Dr. Rowan Williams halten. Er ist Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der weltweiten Anglikanischen Kirchengemeinschaft.
Suche nach konkreten Antworten
Die Brot-Bitte aus dem Vaterunser soll an der Tagung nicht abstrakt verhandelt werden, betonte im Vorfeld der Präsident des Weltbundes, Bischof Mark Hanson aus den USA. Vielmehr brächten die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit. «Viele Menschen leiden an Hunger oder sind als HIV-Infizierte marginalisiert», erklärte er. Man wolle in Stuttgart «prophetische Antworten auf alle Ungerechtigkeiten» finden. Hanson wird sein Amt als Vorsitzender des WLB nach sieben Jahren niederlegen. Die Vollversammlung hat seinen Nachfolger zu bestimmen.Zu den weiteren Themen des Treffens gehören die Probleme um die Religionsfreiheit, die Versöhnung mit den Mennoniten, innerkirchliche sowie ökumenische Fragen und eine Selbstverpflichtung gegen sexuelle Belästigung und Missbrauch.
Versöhnung und offene Fragen
Im 16. und 17. Jahrhundert war die Täufer-Bewegung, zu der die Mennoniten zählen, mit Hilfe pseudotheologischer «Argumente» gewaltsam verfolgt worden. Dieses dunkle Kapitel der Kirchengeschichte will man in Stuttgart aufarbeiten und auch mit dem geplanten Versöhnungsgottesdienst ein Zeichen setzen. Eine Annäherung zwischen den beiden Konfessionen der Lutheraner und Mennoniten findet seit 1980 statt.Zankapfel Frauenordination und Homo-Segnungen
Unklar ist, welche Rollen die besonders heiklen Themen Frauenordination und gleichgeschlechtliche Partnerschaften an der Vollversammlung spielen werden. Man befindet zwar noch in der selbstauferlegten fünfjährigen Reflexionsphase von 2007 bis 2012, wie der Generalsekretär des Weltbundes, Ishmael Noko, betonte. Doch die Spannungen zwischen den Mitgliedskirchen sind enorm. Vor allem diejenigen aus dem Baltikum und aus Afrika sprechen sich entschieden gegen eine Segnung homosexueller Paare aus; die skandinavischen Lutheraner beispielsweise praktizieren sie jedoch.Das ökumenische Gespräch mit den Siebenten-Tags-Adventisten soll durch deren Pastor Dr. John Graz weitergeführt und vertieft werden und auch in die Abschlusserklärung einfliessen.
Die Vollversammlung ist das oberste Gremium des Lutherischen Weltbundes. Dieser wurde 1947 im schwedischen Lund gegründet. Er umfasst rund 70 Millionen Christen und findet in der Regel alle 6 Jahre statt. In Deutschland tagte man zuletzt 1952 in Hannover.
Quelle: APD

