Missbrauch

Sexuelle Gewalt macht vor Kirchen nicht Halt

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Andreas Bochmann
Sexuelle Gewalt wird auch in christlichen Kirchen und Familien ausgeübt. Diese Ansicht hat der Leiter des Instituts für Familien- und Sozialforschung der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, Andreas Bochmann, vertreten.

„In jeder christlichen Gemeinde sitzt nach aller Wahrscheinlichkeit mindestens ein Opfer sexueller Gewalt," sagte Bochmann an einem Seminar des Weissen Kreuzes in Burbach bei Siegen. Etwa jedes fünfte Mädchen und jeder zehnte Junge in Deutschland sei sexuell missbraucht worden. „Wenn wir die Täter, Opfer, Familien und Mitwisser zusammenfassen, hat der grösste Teil der Bevölkerung mit dieser Thematik zu tun", stellte Bochmann fest. Der Theologe und Sozialwissenschaftler sprach sich dafür aus, dass christliche Gemeinden das Thema sexuelle Gewalt nicht ausklammern: "Ich glaube, dass jede Gemeinde eine moralische Verpflichtung hat, sich aktiv an der Verhütung von sexuellem Missbrauch von Kinder zu beteiligen, indem wir zuhören, Kindern glauben, informieren, ausbilden, und Familien fördern."

Kinder von klein auf gegen Gewalt stärken

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Rolf Trauernicht
Der Kinder- und Jugendpsychiater Klaus-Dieter Grothe sprach sich dafür aus, bereits kleine Kinder gegen Gewalt zu stärken. Deshalb sollten Kinder mit viel Vertrauen zu einer Bezugsperson aufwachsen. Dies mache sie selbstbewusst und helfe ihnen, sich in Gewaltsituationen entsprechend zu wehren. Das habe er in der Arbeit mit traumatisierten Soldatenkindern in Uganda erlebt. Sie hätten trotz dramatischer Erlebnisse verhältnismässig wenig psychische Schäden aufgewiesen, da das Vertrauensverhältnis zu ihren Familien intakt war. Leider sei dieses Vertrauen in der heutigen Gesellschaft nur wenig vorhanden. Es bestehe oft nicht einmal zur eigenen Familie und immer seltener auch zu Gott. Deshalb werde Gewalt oft als Leben zerstörend erlebt.

Wer redet davon?

Der Geschäftsführer des Weissen Kreuzes Rolf Trauernicht wies darauf hin, dass eine gute Aufklärung wichtig sei. Noch immer sei das Thema sexuelle Gewalt in unserer Gesellschaft sehr schambesetzt. Alle Menschen seien dazu aufgerufen, die Signale ihrer Umgebung wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. In den Gemeinden müsse dafür ein verstärktes Bewusstsein geweckt werden. Viele Pastoren fänden das Thema zwar wichtig, wüssten aber kaum jemanden, der dies anpacken könnte.

Webseiten:
Weisses Kreuz in Deutschland
Weisses Kreuz in der Schweiz

Datum: 28.04.2007
Autor: Lothar Rühl

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