Jahrestagung von «Interserve»

«Bibel zeichnet ganzheitliche Sicht der Schöpfung»

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«Wenn biblische Beziehungen aus der Balance geraten, leiden sowohl Menschen wie auch die Umwelt»: Martin Hodson an der «Interserve»-Jahrestagung in Bern.
Die Menschen vergessen es immer wieder: Der Mensch bleibt stets von der Natur abhängig und auf sie angewiesen. An der Jahrestagung von «Interserve» in Bern wurden die Erderwärmung, zunehmende Wasserknappheit und die limitierten Ölreserven aus christlicher Sicht thematisiert.

«Interserve» sendet Fachleute in die arabische Welt und nach Asien. Die über 150-jährige Missionsgesellschaft arbeitet mit einer ganzheitlichen Ausrichtung, welche die geistlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse, der Menschen ernst nehmen möchte. Im Sinne dieser Ganzheitlichkeit werden zunehmend auch Fragen der Umwelt thematisiert.

Flüchtlingsströme werden zunehmen

Martin Hodson, Biologe und Gastdozent der Universität Oxford, gab in seinem Eingangsreferat einen Überblick über die aktuelle Umweltsituation: Die massive Zunahme von Kohlenstoffdioxyd (CO2), wie auch die Zunahme von Kohlendioxid um ein Drittel und die Verdoppelung von Methan in den letzten 300 Jahren wurden durch entsprechende Grafiken verdeutlicht. Weiter wies er auf die zu erwartende Erderwärmung hin. Die Folgen seien vielfältig und würden Länder wie Bangladesh und die pazifischen Inseln betreffen. Dort steige der Meeresspiegel. Es sei zu erwarten, dass auch die Flüchtlingsströme durch die Erderwärmung zunehme. Das bereffe uns alle.

Wasser wird knapp

Weiter wies der englische Biologieprofessor und Umweltforscher auf die zu erwartende Wasserknappheit hin. Zwar gäbe es genug Wasser, jedoch könnten wir nur 0,6 Prozent als flüssiges Frischwasser nutzen. Dieser Anteil werde hauptsächlich von der Landwirtschaft genutzt.

Wasserknappheit bedrohe den Gürtel von Mexiko über Nordafrika, der Golfregion, Zentralasien bis Nord-China. Die Erderwärmung werde in diesen Gebieten teilweise noch weniger Regen bringen. Interessant sei, dass Afrika eigentlich genügend Grundwasser besitze und die Wasserknappheit dort auf wirtschaftliche Schwäche zurückzuführen sei. Der steigende Fleischkonsum führe in Ostasien auch zu vermehrter Wassernutzung

Schliesslich referierte Hodson über den «Peak Oil», der kommen wird, auch wenn man ihn zeitlich nicht genau bestimmen könne. Die limitierten Öl-Reserven und die daraus folgende Förderreduktion haben auch Auswirkungen auf den Artenreichtum: Mehr Bio-Energie werde benötigt und das schlage sich auf die Nahrungsmittelpreise nieder. Steigende Nahrungsmittelpreise würden sich bei den Ärmsten verheerend auswirken.

Ganzheitliche Schöpfung

Die Theologin Margot Hodson, Studentenseelsorgerin und Vikarin, betonte in ihrem Referat die Sorgepflicht des Menschen für die Schöpfung. So zeige der Schöpfungsbericht, dass dem Menschen Verantwortung für die Erde übertragen wurde. Es bestehe eine Dreiecksbeziehung zwischen Gott, dem Menschen und der Erde mit allem Erschaffenen. Der Sündenfall zeige die Folgen dieser Beziehung, weil die ganze Schöpfung dadurch betroffen sei.

Am Beispiel von Israel zeigte die Referentin auf, wie bedeutungsvoll das Land ganz grundsätzlich war, wie zum Beispiel für den Acker Ruhezeiten vorgeschrieben wurden und wie auch der Bundesschluss einen Bezug zum Land erhielt. «Beim Propheten Jesaja wird deutlich, wie vielseitig er Naturbilder gebrauchte, aber wie auch die Verfehlung von Menschen Einfluss auf das Land hatte und umgekehrt die Gnade sich auch auf die Schöpfung auswirkt», erläuterte Hodson.

Im neuen Testamen zeige die Fleischwerdung von Jesus wie auch seine körperliche Auferstehung den Wert der materiellen Welt. Die Hoffnung der Auferstehung sei auch eine Verheissung für die ganze Schöpfung, ihr «Seufzen», im Römerbrief beschrieben, weise darauf hin. Die Offenbarung spriche von einer neuen Schöpfung. Die Offenbarung male ein Bild der zukünftigen Harmonie. Im Kolosser werde diese ganzheitliche Sicht zusammengefasst: Die ganze Schöpfung hat in Jesus ihren Ursprung und Ziel.

Nachhaltiger Umgang mit der Erde

Trockenheiten, Wasserverknappung werden Hungersnöte, Flüchtlingsströme und Kriege auslösen. Dennoch stelle sich die Frage, «ob wir uns um die Umwelt zu kümmern haben, wenn die menschliche Not so gross ist». Die umweltbewusste Theologin beantwortet diese Frage mit einer ganzheitlichen Sichtweise: «Wenn biblische Beziehungen aus der Balance geraten, leiden sowohl Menschen wie auch die Umwelt. Man kann weder dem einen noch dem anderen wirkungsvoll helfen, ohne beide Aspekte einzubeziehen.»

Daraus folge, dass ganzheitliche Mission den Menschen und die Umwelt miteinander in Beziehung bringt. Dies führe zu einer positiven Veränderung der menschlichen Lebenssituation. Dies wiederum verhelfe zu einer sorgfältigen Nutzung der Umwelt und damit auch der biblischen Botschaft zu einer besseren Wirkung.

So heilt das Land

Margot Hodson plädierte für eine ganzheitliche Ethik, in der die Beziehung zwischen Gott, dem Menschen und der Schöpfung im Zentrum steht. Daraus folge der Wert des Menschen und der Umwelt, was in der Regel zur Sorge für beide führe. Die daraus folgenden Entscheide und Handlungen würden sich auf beide, Mensch und Umwelt, positiv auswirken. «Wenn Gottes Volk... Gottes Angesicht sucht und umkehrt, wird Gott ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen» (Die Bibel, 2. Chroniken, Kapitel 7, Vers 14).

Interserve (CH) besteht seit 20 Jahren. Webseite: www.interserve.org/ch

Autor: Stefan Peter
Quelle: Interserve

Datum: 13.11.2009

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