Kommentar

Keine schöne neue Welt

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Wo kommen wir hin, wenn wir Embryonen selektionieren? Während die Erinnerung an Nazigreuel die Deutschen bremst, scheint die Schweiz den Macher-Schalmeien der Forscher und Fortpflanzungsmediziner ein weiteres Mal zu erliegen: Die Präimplantationsdiagnostik PID soll in beschränktem Umfang erlaubt werden.

Der Bundesrat will auch die Aufbewahrung von Embryonen erlauben, die ausserhalb des Mutterleibs gezeugt wurden – damit sie für allfällige spätere Fortpflanzungsversuche zur Verfügung stehen.

Man muss sich nüchtern vor Augen führen, was PID bedeutet: Nach dem Test wird ein Entscheid getroffen: eine Chance für jenen erwählten Zellhaufen, der sich wunschgemäss zu entwickeln verspricht – das Nein zu anderen Zellhaufen, die ebenfalls produziert wurden. Damit man eher zum Ziel kommt.

Damit gehen wir zu weit.

Die Dynamik ist absehbar – und verderblich: Mit jedem Merkmal des Kindes, das aufgrund von genetischen Tests als anwählbar gegeben wird, wächst das Verlangen nach dem Kind auf Wunsch und die Illusion, damit kaufe man das Wunschkind.

Die Zeitschrift Economist hat im Frühjahr in einer Coverstory vom «Gendercide» gesprochen: dass infolge von Tötung, Abtreibung oder Vernachlässigung schon heute mehr als 100.000.000 Mädchen nicht leben. Das gab es noch nie. In Ost- und Südasien wird die kulturelle Geringschätzung von Mädchen mittelfristig zu sozialer Unrast führen.

Zum Thema:
Knabe gefällig – oder Mädchen?


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