Der Rausch ist vorbei – Deutschland vor der Zerreissprobe
Die Fussball-WM. Man nannte sie "die schwarz-rot-geile Party". Nach der Gala bleibt das schwarz und rot Sehen. Die Wirklichkeit holt das Land ein. Und die begann am 16. Juni 2006. Der Tag, an dem Argentinien Serbien und Montenegro mit 6:0 vom Feld fegte. Wer sprach da schon über Politik? Aber im Berliner Bundestag wurde die grösste Steuererhöhung aller Zeiten beschlossen.
Ab 1. Januar 2007 bezahlt man in Deutschland 19 statt 16 Prozent Mehrwertsteuer. Dabei ächzen die Bürger, seit der Euro eingeführt wurde. Vor einem Jahr der Schocker: Der Treibstoffpreis schoss in die Höhe und blieb dort. Am 19. April 2006 erreichte der Preis pro Fass (159 Liter) das Allzeithoch von 73 Dollar. Deutschland stöhnte auf. Eingangs Juli kostete ein Fass schon 75 Dollar.
Die Ekstase ist vorbei
Deutschland ist horrend überschuldet. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von einem Sanierungsfall. Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn: "Wenn sich nichts ändert, ist der Staatsbankrott kaum zu vermeiden." Die Staatsverschuldung beträgt 1,5 Billionen Euro. Das sind 68 Prozent der Wirtschaftsleistung. In der EU sind "nur" 60 Prozent erlaubt.
Vier Wochen versetzte die WM Deutschland in Ekstase. Jetzt ist der Rausch vorbei. Die ausgelassenen Fussball-Weltenbummler sind abgereist. Die Deutschen haben die schwarz-rot-gelben Wangen abgeschminkt.
Torflaute und nächste Steuererhöhung
Deutschland war ein guter Gastgeber. Die "Klinsmänner" bestimmten Handeln und Denken. Die Fans feierten sich selbst, an der WM der knappen Resultate und der wenigen Tore (nur 2,29 Tore pro Spiel). Viel Taktik, viele Abwehrriegel, in manchen Spielen konnte man meinen, die Berlinermauer sei wieder da.
Der überhebliche Weltmeister wurde von der "Equipe des Vieux", den Franzosen entzaubert, die Squadra Azzurra schüttelte den Skandal der heimischen Liga ab.
Ein entfesseltes, deutsches Team brachte den Nationalstolz zurück. Im Spiel um Platz drei wurde Portugal an die Wand gespielt und man nennt sich jetzt "dritter Weltmeister". Zuversicht wehte für vier Wochen durch die Bundesrepublik. Ob das für einen allgemeinen Aufschwung reicht?
Sie lebten Hoffnung
In den WM-Städten tummelte sich die christliche Fussballaktion "kick-off 2006". In den Fan-Meilen half sie den Organisatoren. In Köln wurde das Dom-Forum zum Fan-Treffpunkt. In Berlin waren viele "zu Gast bei Christen" und ruhten sich in den beiden "kick-off-Zelten" aus. In Bad Blankenburg war während der WM ein Gebets-Camp. Christen aus verschiedenen Ländern trafen sich, um für gutes Gelingen und eine friedliche WM zu beten.
Der 1. Vorsitzende von "kick-off 2006", Hans Günter Schmidts, spricht von guten Erfahrungen. Er hofft auf einen positiven Effekt für die Zukunft: "Wir sehen in den nächsten Monaten, wie stark der Anstoss für den Glauben wirkt. Die Reaktionen sind sehr positiv und wir hoffen, dass die Mauer zwischen christlichen Gemeinden und Sport abgebaut wurde. Wir sind dankbar für den Teamgeist; viele tausend freiwillige Mitarbeiter aus dem In- und Ausland haben sich bei kick-off engagiert." Dieser Wertelan kann auch politische Probleme dämpfen und helfen, Zerbrochenes wieder zusammenzubauen.
Homepage von kick-off 2006 mit diversen Berichten





