Claudio: "Ich habe keine Chance" - Claudio Minder - die Serie (14. Folge)

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Claudio Minder
Zurück aus dem Mr.-Schweiz-Trainingscamp in der Türkei flogen die Wochen vor der Wahl wie ein Falke im Sturzflug vorbei.

Während den Promotions-Auftritten in zahlreichen Clubs, habe er kaum Nervosität verspürt, meint Claudio Minder. Ein Kribbeln, dass immer mehr zur Oberfläche drängen wollte, dagegen schon. Anspannung und Nervosität wuchsen bei den Kandidaten.

"Erst in der letzten Woche war sie wieder weg, denn in dieser fehlte schlicht die Zeit um die Nervosität zu pflegen. Wir probten, probten und probten. Standen nur noch auf der Bühne, tanzten, übten Kameraeinstellungen und so weiter.

Morgens um acht Uhr mussten wir antraben, abends dauerte es bis um Zwölf. Damit wir etwas Abstand gewinnen konnten, suchten sich die Veranstalter ein Hotel, dass 40 Minuten von der Stadthalle Dietikon - dem Austragungsort des Finales - entfernt war. Während den Rückfahrten dösten wir jeweils vor uns hin und freuten uns nur noch auf das Bett. Und kaum hatten wir uns hingelegt, klingelte der Wecker schon wieder. Alles ging so schnell. Dabei gab es noch 1000 Dinge, die wir üben sollten.

Mir räumte ich noch immer keine Chance ein. Stark geändert hatte sich meine Einschätzung gegenüber den einzelnen Teilnehmern. Beim ersten Treffen auf dem Flugplatz konnte ich sie nur äusserlich bewerten. Nun kannte ich die Charakterzüge. Jetzt wusste ich, wer in welcher Situation wie reagiert. Auf was sie aus sind. Details. Ob der Dessert nach dem Essen aus Schockladenpudding oder Seilspringen besteht. Ob sie eine Frau nach dem beurteilen, was direkt unter dem Bikini wippt, oder nach dem was ein paar Zentimeter tiefer innen liegt und schlägt, manchmal pocht.

Nach der zweimonatigen Vorbereitungszeit konnte ich abwägen, dass wenn es um den Charakter geht, der keine Chance hat, jener ebenfalls nicht und den anderen müsste man ebenfalls noch streichen... Der Favoritenkreis lichtete sich in dieser Skala zusehends.

Und ich? Ich machte mir kaum Gedanken darüber. Weil ich wie die meisten anderen Kandidaten so viele andere Dinge im Kopf hatte. Nach diesem Tanzschritt in jene Kamera lächeln und so weiter.

Die dürfen nicht gewinnen!

Schlussendlich, und da stand ich bei weitem - auch ausserhalb dem Kandidatenkreis - nicht alleine da, hatte ich einen grossen Wunsch: Es spielt absolut keine Rolle wer gewinnt, nur zwei bestimmte Kandidaten dürfen nicht gewinnen. Hätte nicht ich, sondern ein Kollege gewonnen, dann hätte ich mich mit ihm gefreut. Ansonsten hätte es wehgetan und ich hätte gedacht, "das darf doch nicht war sein." Das war unsere grösste Angst im Vorfeld gewesen. Wir hätten alle enttäuscht ausgesehen und alle hätten geglaubt wir seien dies, weil wir den Titel nicht gewonnen hätten.

Am Montagabend begannen wir zu proben. Wo man in die Halle raus und rein läuft. Wo man sitzt. Wo man steht. Jeder Zentimeter wurde abgemessen und beleuchtet.

Anfangs hatte ich Angst, plötzlich am falschen Ort zu stehen, obwohl wir immer nach demselben Ablaufschema probten. Wie ein Uhrwerk. Aber der Claudio ist mit seinen Gedanken manchmal an einem anderen Ort...

Wegen den Kameraeinstellungen würde die Show nach einem exakten Drehbuch ablaufen. Ein Drehbuch, eingeteilt in drei Sekunden Blöcke. Alle drei Sekunden eine neue Perspektive. Zoom auf einen einzelnen Kandidaten, dann ein Blick auf das gesamte Teilnehmerfeld und so weiter. Wir wussten: Jetzt müssen wir den Kopf in diese Richtung drehen und in diese Kamera schauen. Ein paar falsche Schritte und die Kamera würden statt uns ein paar Scheinwerfer heran zoomen. Beim proben unterliefen mir diverse Fehler.

Statt vom Mr. Titel träumte ich in dieser letzten Woche vor der Wahl davon, in der Karibik zu sein und diesen Kram hinter mir zu lassen. Die Beine schmerzten vom Tanzen, ich war müde wegen der kurzen Nächte - ein Horrortrip. Die Ringe unter den Augen wurden grösser, gleich wie die Angst, zusammen zu klappen. Diese Woche möchte ich nicht noch einmal durchmachen. Ich fragte mich: "Warum habe ich mich auf das Ganze eingelassen?"

Vor dem letzten zu Bett gehen, dachte ich, in 24 Stunden werde ich ein ganz anderer Mensch sein. In 24 Stunden ist es vorbei. Wehmütig begann ich ein wenig darum zu trauern. Mit einer Chance rechnete ich weiterhin nicht. Ich dachte: "Am Samstagabend kann ich ins Bett steigen ohne am Sonntagmorgen wegen irgendwelchen Terminen früh aufstehen zu müssen. Ich kann die Dinge tun die ich will. Wieder normal zum Zoll gehen. Leben in den gewohnten Tagesabläufen. Am Morgen um 7 Uhr zur Arbeit gehen. Am Abend um 16 Uhr: Feierabend."

Aufgezeichnet von Daniel Gerber

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Claudio Minder im Forum

Zum Start der Serie Claudio Minder: www.livenet.ch/www/index.php/D/article/14/8721/

Webseite: www.claudiominder.ch

Datum: 01.09.2004

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