Einer gegen 477. Claudio Minder – die Serie ( 10 . Folge)
Abends besuchten die paar Jugendlichen das schmucke "Bergkino"; mehr aus Interesse am Film denn aus Windflucht. Später, der Film war gerade zu Ende und die letzten Darstellernamen zogen sich immer noch, kaum enden wollend, über die Leinwand, übergaben sich die Jugendlichen wieder Wind und Wetter. Jetzt aber dank Popcorn und Arnold S. und Co. an Leib und Seele gestärkt. Einer der Boarder, Claudio Minder, ging gerade die wenigen Treppenstufen am Kinoausgang hinunter, als ein Summen mit dem Pfeifen des Windes konkurrierte. Ein Anruf aus Zürich.
"Jemand aus meiner Zürcher Agentur 'Take That' war am Telefon. Sie meldeten gerade fünf Leute aus ihrem 'Sortiment' zu den Mister-Schweiz-Wahlen an. Eine nette Mischung: ein Blonder, ein Dunkler, jüngere und ältere Models. Und auch ein ganz junger sollte nicht fehlen. 'Dabei, Claudio, denken wir an dich.' Mich?! Sie meinten, mich könnten sie sich in diesem Business durchaus vorstellen. Anmeldeschluss: 1. März. Sagen wir es so: Es gab Dinge in meinem Leben, die hatte ich ernster genommen. Nicht gerade die Komödie zuvor im Kino, aber trotzdem. Ich sagte: 'Okay, meldet mich an, die Mister-Schweiz-Organisation wird ihre Meinung schon sagen.'
Zurück von Crans Montana, lag die Anmeldung fertig ausgefüllt in meinem Briefkasten. Ich musste nur noch unterschreiben. Am letzten Februar, einen Tag vor Einsendeschluss, übergaben wir den Brief voll und ganz in die Hände der Schweizer Post.
Bei mir breitete sich nun Unsicherheit aus. Ich hatte Angst, verheizt zu werden. Vielleicht würde ich Letzter beim Casting, sofern ich überhaupt so weit kommen würde. Die Leute würden sagen, er macht mit und hat keine Chance. Er ist eingebildet. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt.
Deshalb redete ich mit der Agentur, mit zwei Models, die mir nahestehen, und immer wieder mit meinem Vater. Weil er mehr Lebenserfahrung hat und ausserdem ein guter Freund ist. Ansonsten verschwieg ich meine Anmeldung, ich wollte mich schliesslich nicht blamieren.
Mit meinem Vater telefonierte ich noch am selben Abend in Crans Montana. Er meinte: 'Schau Claudio, es ist eine gefährliche Sache. Du könntest ein ganz anderer Mensch werden. Es könnte dir in den Kopf steigen. Oder du hast keine Zeit mehr für die Schule. Behalte diese Sachen im Auge.' Und dann: 'Probier es. Wenn Gott es will, dann kommst du weiter.' Damit standen meine Eltern hinter mir. Mit der Anmeldung selbst war ja noch nichts entschieden. Bei 477 Bewerbungen ist die Chance, einer fer letzten Zwölf zu werden, ohnehin klein. Auch nach dem Casting mit den 49 Personen ist noch nichts entschieden. Warum sollte es gerade mich treffen?"
Aufgezeichnet von Daniel Gerber
Gold in Sicht
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Zum Start der Serie Claudio Minder: http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/14/8721/


