Reformation im Alltag

Von Geschirrspülern und Weltveränderern

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Schöner, erfolgreicher, glücklicher werden! Dazu noch etwas gelassener und schlanker. Chirurgen warten mit Skalpell und Botox. Fitnessstudios verteilen Starter-Gutscheine. Buchhandlungen sind voll mit Ratgebern, die uns auf dem Weg zum neuen Menschen begleiten.

Was auf dem Papier ein einfaches Zehn-Schritte-Programm ist, wird in der Praxis zur komplexen Herausforderung. Nehmen wir den Geschirrspüler: Meine Frau wünscht sich von mir Veränderung. Ein anderes Einordnen von Tassen und Tellern. Change it! Aber es geht nicht! Alle Bemühungen enden im Rückfall. Habe ich nicht alle Tassen im Schrank?

Forscher sagen, das Gehirn sei fähig zur Veränderung. Darauf baut unser Rechtssystem in der Resozialisierung. Damit arbeiten Eltern und Pädagogen. Mit dieser Überzeugung gestalten wir unsere Gesellschaft. Doch es gibt Grenzen. Nicht alles lässt sich überwinden und es braucht immer Willen, Ausdauer, Motivation und auch Hilfe von aussen. Das Verändern der eigenen Persönlichkeit lässt sich jedenfalls nicht befehlen. Vieles ist genetisch gegeben, vorgeburtlich beeinflusst und frühkindlich gefestigt.

Trotzdem – es gibt keinen Grund, nicht das Beste für Stadt und Land zu suchen. Es waren immer wieder einzelne Menschen, deren persönlicher Change die Welt veränderte. Sie folgten weder einem Trend noch den Ansprüchen der anderen. Sie trugen einen Herzenswunsch in sich; etwas, das ihnen persönlich wichtig war und das sie zielgerichtet verfolgten.

Schlüssel zur Freiheit

Die Reformation versetzte der westlichen Welt einen Schub hin zur persönlichen Freiheit in Glaube und Leben. Ausgangspunkt war ein verändertes Denken in Bezug auf Gott. Besonders deutlich ist dies bei Martin Luther. Als Mönch war er eingebunden in die damalige religiöse Praxis. Doch im Herzen trug er eine unbeantwortete Frage: Wie kann ich als fehlerhafter Mensch vor dem Schöpfer des Universums bestehen? Alle möglichen Versuche bringen keinen Frieden. Noch einmal greift er zur Bibel. Er studiert den Römerbrief. Er liest mit suchendem Herzen. Plötzlich leuchten Textstellen auf, als seien sie für ihn persönlich geschrieben worden. Ein Wort liefert ihm die Antwort: Gratia, Gnade. Das ist der Schlüssel zur Freiheit. Luther beginnt, seine Thesen zu formulieren. Sie hebeln den Status Quo aus und verändern die Welt.

Der Geschirrspüler wartet. Ich versuche es. Es gibt keinen Grund, aufzugeben. Veränderung ist möglich.

Dieser Text stammt aus der Verteilzeitung zum Reformationsjubiläum «Change». Hier können Sie sie herunterladen und bestellen. 

Zum Thema:
Veränderung ist gefragt: Lebensperspektive konstruktiv gestalten
Zeit für Veränderung?: Trockenheit im Leben – nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen
Heiliger Geist: Die explosive Kraft, die unser Leben verändern kann
Anders sein: Gott will durch uns diese Welt verändern

Datum: 12.08.2017
Autor: Rolf Höneisen
Quelle: Reformationszeitung «Change»

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