«Tabus sind das Schlimmste»

Lili Burri verarbeitet Missbrauch mit Hilfe von Kunst

Lili Burri ist Kunstmalerin, Coiffeuse, Sportlerin. Ihre Bilder und Skulpturen sind zurzeit im Hotel Riverside in Glattfelden ausgestellt – sie widerspiegeln ihr Leben.

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Lili Burri
Sie hat keine geschliffene Rede vorbereitet. Lili Burri erzählt den Vernissage-Besuchern aus ihrem Leben, von ihren Höhen und Tiefen. Sie erwähnt ihr jahrelanges Getriebensein, erzählt von körperlichen und psychischen Grenzerfahrungen und Klinikaufenthalten. «Hier habe ich meine Familie sterben lassen», erklärt sie vor einer Tusch-Zeichnung. «Es musste sein, aber es waren drei sehr schwierige Jahre für mich.» Ihr kleines Buch zum «Vater unser» zeigt ihren Heilungsprozess auf. Heute ist es ihr grösster Wunsch, dass durch ihr künstlerisches Werk Menschen zu Jesus finden.

Inspiriert im Kloster

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Bild «Kreuzweg»
Mit ihrer Grossmutter hatte die kleine Lili das Kloster Einsiedeln besucht und dabei den Kreuzweg besichtigt. Vor knapp zwei Jahren motivierte sie ein Buch zum gleichen Thema, den Kreuzweg einmal etwas anders darzustellen. Die 55-Jährige malt schon seit ihrer Kindheit. Immer wieder hat sie Erlebtes so verarbeitet. Es gibt grosse, helle Bilder, voller Farben und Licht. Aber sie zeigt auch die dunklen Zeiten. Schliesslich gestaltete sie ihren persönlichen Kreuzweg: 14 quadratische Tafeln, auf denen ihre eigenen Hände mit dem Weg Jesu verbunden werden. «Der Kreuzweg Jesu ist zu meinem eigenen geworden», erklärt die Künstlerin. Auch sie sei verurteilt worden, von anderen, und vor allem von sich selbst. «Ich habe fast alles gemacht, was Gott nicht gefällt, aber mir wurde vergeben».

«Tabus sind das Schlimmste!»

Dass Jesus sein Kreuz auf sich nahm, heisst für sie, das eigene Leben anzunehmen, nichts mehr zu vertuschen. «Tabus sind das Schlimmste! Wenn man etwas immer verdrängt, zieht man es immer wieder an.» Sie hat deshalb angefangen auszusprechen, dass sie verschiedene Formen von Missbrauch erlebt hat. «Damit kam aber der Zusammenbruch.» Auch Jesus konnte sein Kreuz nicht mehr tragen und brauchte Hilfe. Lili Burri suchte sie in einer psychiatrischen Klinik. Nicht Simon von Kyrene nahm ihr die Last ab, aber sie lernte an diesem Beispiel, dass sie sich helfen lassen darf. «Gottes Liebe gilt mir. Ich darf sie annehmen, ohne Gegenleistung».

Es ist viel Heilung geschehen

«Ich walzte manchmal wie ein Bulldozer durchs Leben, wollte die Beste, Schönste, Schnellste sein». Lili Burri war ehrgeizig, sowohl als Sportlerin als auch als Coiffeuse mit eigenem Salon. Als sie das Bild der Kreuzigung gestaltete, war es ihr, als sterbe sie ebenfalls. Doch sie erlebte auch Auferstehung. Stolz, Neid, Egoismus, Hochmut blieben beim Kreuz. Lili Burri begab sich einmal mehr in Jesu Hände und empfing von ihm Werkzeuge für ein neues Leben. Sie muss Ungutes nicht mehr verdrängen, sondern hat den Mut, bei Konflikten auf die Beteiligten zuzugehen. Sie ist bereit, zu vergeben und Vergebung anzunehmen. Dass ihre Mutter, Schwester, Neffe und eine Freundin, die sie zwei Jahre nicht mehr gesehen hatte, zur Vernissage in Glattfelden ZH kamen, beglückte sie. «Dass diese Menschen an meine Ausstellung gekommen sind, bedeutet für mich ein Stück Himmel auf Erden. Es zeigt mir, dass schon viel Heilung geschehen ist.»

Die Werke von Lili Burri-Heckl sind noch bis März 2016 in der Spinnereigalerie des Seminar- und Eventhotels Riverside in Glattfelden ZH ausgestellt.

Zum Thema:
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Datum: 07.12.2015
Autor: Mirjam Fisch-Köhler
Quelle: ideaSpektrum Schweiz

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