Havarie der Costa Concordia
«Kapitän heulte wie ein Kind»
Der Pfarrer der «Costa Concordia» hatte eine bemerkenswerte Begegnung mit dem Kapitän. In der Nacht des Unglücks klammerte sich Francesco Schettino an den Priester und suchte Zuspruch.
Das Bild vom Kapitän des verunglückten Luxus-Liners «Costa Concordia», Francesco Schettino, wird immer zwiespältiger: Einerseits wird er in den Medien als Lügner und Feigling angeprangert, andererseits suchte der Todunglückliche nach Angaben des Schiffspfarrers in der Unglücksnacht geistlichen Trost.Auch nur ein Mensch
Vermutlich trifft alles zu. Der schwer beschuldigte Kapitän erlitt nach der Havarie möglicherweise einen Nervenzusammenbruch – und mutig ist er auch nicht. Nach Angaben des Schiffsgeistlichen Raffaele Malena hat sich Schettino in der Nacht bei ihm ausgeweint. «Er lag während einer Viertelstunde in meinem Arm und weinte wie ein Kind».
Er selbst sei als einer der Letzten von Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffs gegangen, sagte Malena gegenüber der französischen Zeitschrift «Christliche Familie». «Ich bin über eine Strickleiter nach unten geklettert und auf einem Rettungsfloss an Land gebracht worden», so der 73-jährige Priester. An Land habe er sich zunächst um die Verletzten im Hafen gekümmert. Gegen 2.30 Uhr habe er dann diese Begegnung mit Kapitän Schettino gehabt.
Jesus um ein Wunder gebeten
Der aus Kalabrien stammende Malena, der seit 20 Jahren für die Reederei Costa arbeitet, lobte den Mut der Schiffscrew. «Seine Jungs», wie Malena sie nennt, hätten im Chaos kühlen Kopf bewahrt. Es seien Helden unterschiedlicher Nationalitäten, die sich gegen hysterische Passagiere durchsetzen mussten, obwohl sie selber Angst hatten.Als die Evakuierung angeordnet wurde, ging Malena nach eigenen Angaben nochmals kurz in die Schiffskapelle. Dort habe er «Jesus um nichts weniger als um ein Wunder gebeten» – und darum, dass so wenige Passagiere wie möglich ihr Leben verlieren. Malena: «Das Jesus-Kind lag in der Kapelle von Weihnachten her noch in seiner Krippe, ich weinte und betete.»
«Endlichkeit vor Augen geführt»
Das Unglück hat nach Ansicht des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm den Menschen drastisch die Endlichkeit des Lebens vor Augen geführt. Eine Kreuzfahrt sei der Inbegriff von Luxus und des schönen Lebens. «Und dann passiere plötzlich so eine Katastrophe», gab der evangelische Theologe zu bedenken.
Tragisch sei, dass sich viele Passagiere sicherlich zum ersten Mal eine solche Reise gegönnt hätten, und dann «von ganz oben nach ganz unten» gefallen seien. «Wir müssen daher jeden Tag bewusst leben» und uns vor Augen führen, dass am nächsten Tag alles zu Ende sein könnte, mahnte der Landesbischof.
Mehr zum Thema:
«Danke Gott, dass Du uns heil herausgebracht hast!»
Quelle: Livenet / idea.de / epd


