Hillsong

„Manchmal kann das Collegeleben sehr hart sein“

Seit sechs Wochen besucht der Zürcher Samuel Müller Kurse am christlichen Hillsong College im australischen Sydney. Die Verpflichtungen in den Gottesdiensten der Trendkirche und im College halten den Livenet-Autor „ganz schön auf Trab“. Samuel Müller hat Martin Huber, 29, den zweiten Schweizer in der Hills-Gemeinde der Hillsong Church, zu seinen Erfahrungen befragt. Martin Huber war ursprünglich Sekundarlehrer im Zürcher Oberland; er hat im Dezember 2002 sein zweites Jahr am College abgeschlossen.

Stefan Müller: Was hat dich nach Australien ans Hillsong College gebracht?
Martin Huber: Ich wollte seit einigen Jahren eine Worship-Schule besuchen und für längere Zeit im Ausland leben. Ich war Worshipleader der Pfingstgemeinde in Rüti/ZH und wollte meinen Horizont punkto Anbetungsmusik erweitern. Es war nicht die Hillsong Musik, die mich nach Australien zog – die gefiel mir zu der Zeit nämlich nicht –, sondern mein Onkel erzählte mir vom Hillsong College.

Was waren die Highlights in deinen zwei Jahren am Hillsong College?
Ich habe viele neue und gute Freundschaften rund um die Welt geschlossen. Apropos „christliche Gemeinde“ hat sich mein Horizont stark erweitert. Ich habe entdeckt, dass das Gemeindeleben viel mehr beinhaltet als nur den Sonntag Morgen. Die Hillsong-Konferenzen sowie die Albumaufnahmen sind natürlich immer Höhepunkte in der Hillsong Church. Gut in Erinnerung ist mir die Aufnahme vom Album „Blessed“, da ich dabei Geige spielen konnte.

Was schätzt du am Hillsong College ganz besonders?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich am Anfang meines Collegelebens etwas enttäuscht war. Das hing mit meiner Erwartung nach mehr Musikschulung zusammen. Das College ist eben nicht akademisch, sondern vielmehr eine charakterbildende Lebensschule. Es ist weder Bibelschule noch Musikschule, sondern vielmehr eine Leiterschaftsschule. Meine Grundeinstellung zu den verschiedensten Dingen im Leben wurde im positiven Sinne geprägt. Manchmal kann das Collegeleben sehr hart sein; du hast dich unterzuordnen und wirst gedemütigt. Doch dies sind genau die Dinge, die dich zu einem Leiter formen. Das College ermutigt zum Träumen, und ich habe gemerkt, dass meine Träume nicht einfach Hirngespinste sind, sondern von Gott eingegeben.

Das College scheint von Jahr zu Jahr stark zu wachsen. Warum?
Ja, das stimmt. Die Anzahl Studenten hat sich in meiner Zeit am College fast verdoppelt. Es sind momentan fast 600 Studenten aus allen Ecken der Welt hier in Sydney. Gründe dafür sind bestimmt die steigende Bekanntheit der Hillsong Church und die positive Werbung der Studenten, die nach ihrer Collegezeit zurück in ihre Kirche gehen. Ich kenne nicht viele, die vom College enttäuscht wurden, aber viele, die mit Begeisterung nach Hause gegangen sind.

Du bist nach der Zeit am College von der Church angestellt worden. Was ist dein Job?
Ich arbeite zwei Tage die Woche als Instrumentallehrer und Musikvorleser. Dann bin ich Bibliothekmanager und betreue zusammen mit meiner Frau das Worship and Creative Arts Departement von St. Mary‘s, einem angeschlossenen Gottesdienst der Hillsong Church.

Magst du deine Arbeit?
Ja. Es ist bestimmt nicht meine Berufung fürs Leben, aber im Moment ist es richtig. Ich arbeite mit jungen Menschen aus der ganzen Welt zusammen und kann positiven Einfluss in ihre Leben nehmen.

Du stehst mit den international bekannten Lobpreisleitern Darlene Zschech und Reuben Morgan auf der Bühne. Wie ist das für dich?
Das war für mich am Anfang nicht vorstellbar, ich träumte nicht einmal davon. Jetzt empfinde ich es als grosses Vorrecht und Verantwortung. Die Church lässt nicht jeden auf die Bühne. Natürlich ist ein gewisses Mass an musikalischem Können Voraussetzung, aber viel wichtiger ist ihnen die treue Beteiligung am Gemeindeleben. Jeder ist in einem Hauskreis, erscheint jeden Mittwoch Abend zur Musikprobe und führt ein anständiges Leben. Für mich ist es eine Ehre, dass sie mir vertrauen, aber die Kosten zum Mitspielen sind hoch. Zum Beispiel tritt die Band zwei Stunden vor dem Gottesdienst an; das gibt es in den wenigsten Gemeinden.

Wie erlebst du die beiden (Darlene und Reuben) hinter der Bühne?
Darlene Zschech ist eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Sie lebt 100 Prozent, was sie sagt. Es gibt keinen Unterschied zwischen Bühne und Alltag. Es gibt keinen Unterschied zwischen einer Albumaufnahme mit 15'000 Leuten oder einem Sonntagmorgen-Gottesdienst mit 1'500 Besuchern. Nach einem Grossanlass wird nicht auf dem Erfolg ausgeruht, sondern sofort auf den nächsten Gottesdienst ausgerichtet. Besonders Darlene als Worship Pastor der Gemeinde kann ohne weiteres scharf zurechtweisen, wenn jemandem der Erfolg zu Kopf steigen sollte.

Was können Schweizer Gemeinden von der Hillsong Church lernen?
Die Wichtigkeit von Menschen und dass die Gemeinde Christi dazu da ist, verlorene Seelen zu erreichen. In der Schweiz habe ich manchmal das Gefühl, die Gemeinden existieren vor allem für die Christen. Wenn wir in der Schweiz einmal etwas für Nichtchristen tun, kreieren wir speziell offene und evangelische Gottesdienste, geschmückt mit Theater, Videoclips und Apéro, um möglichst attraktiv zu wirken. Wir haben kaum einmal den Mut, nach einer Predigt einen Aufruf zur Lebensübergabe an Jesus Christus zu machen. In der Hillsong Church ist dies das Normalste der Welt. Am Ende jedes Gottesdienstes entscheiden sich Menschen für Jesus. Die Church ist überzeugt, dass ihre Botschaft und ihr Gemeindeleben attraktiv genug für Nichtchristen ist. Dabei ist das Programm eines Gottesdienstes einfacher als vieles, was ich in der Schweiz gesehen habe.

Das was sie in der Church machen, machen sie perfekt. Nur das Beste jedes Einzelnen ist gut genug für Gott. Diese Botschaft kommt relativ klar zum Ausdruck.

Man kann die Hillsong Church nicht kopieren, was auch nicht nötig ist, aber jedem verzweifelten Gemeindepastor in der Schweiz kann ich einen Besuch in der Hillsong Church wärmstens empfehlen.


Webseite von Hillsong Music Australia:

Frühere Berichte von Samuel Müller:
Easter at Hillsong Church in Sydney [http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/190/7818 ]_blank>

REACH: Autowaschen mit höherem Sinn – und Barbecue

Autor: Samuel Müller

Datum: 24.06.2003
Quelle: Livenet.ch

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