Easter at Hillsong Church in Sydney

Seit Februar weilt der 20-jährige Zürcher Samuel Müller in Australien. Nach der Lehre als Gemüsegärtner und dem Militärdienst kann er sich einen Traum erfüllen: Er besucht ab Mai das Hillsong College in Sydney. Samuel Müller beschreibt in einer losen Folge von Artikeln seine Erlebnisse. Hier der zweite Report: Ostern 2003 in der Hillsong Gemeinde, die mit ihrer Lobpreis-Musik weltweit bekannt wurde.

“An zwei Wochenenden kommen die Australier in die Kirche: An Ostern und Weihnachten - jetzt müssen wir nur noch an den anderen 50 Wochenenden im Jahr arbeiten”, meinte kürzlich eine Pastorin in der Hillsong Church. Ich dachte an die Schweiz und stellte fest, dass dies für unser Land auch zutreffen dürfte.

Karfreitag und Ostersonntag sind zwei der seltenen Tage im Jahr, wo du in einer Grossstadt wie Sydney das Gefühl hast, es ist Sonntag. Geschäfte sind geschlossen, Strassen sind mit weniger Risiko zu überqueren. Und die Leute bleiben lange im Bett liegen. Es sei denn, du willst Ostern mit anderen Menschen feiern oder möchtest herausfinden, was Ostern genau zu bedeuten hat – dann gehst du in die Kirche.

Die Hillsong Church hat schon einige Wochen vor Ostern grosszügig Flyer verteilt. In der regionalen Zeitung belegen die Anzeigen Doppelseiten und vor der Kirche erstrahlt ein riesiges Plakat, direkt zwischen Strasse und Supermarkt. Anscheinend hat man hier wirklich die Erfahrung gemacht, dass an Ostern mehr Menschen in die Kirche kommen.

Am Karfreitag sind zwei Morgengottesdienste angekündigt. Zu meinem Entsetzten erwache ich an diesem Morgen so spät, dass es mir nicht einmal mehr auf den zweiten Gottesdienst reicht. Wenigstens kann ich am Abend noch ins Powerhouse (für die Jungen zwischen 18 und 25 Jahre) gehen.

Ich fühle mich trotzdem in dieser so genannten ”Tzzz-Stimmung”, als ich höre, dass es zwei exzellente Karfreitag-Gottesdienste gewesen sind. Tzzz bedeutet soviel wie: “Nein, wieso bin ich nicht dort gewesen!” Pastor Brian Houston nennt seine Church gerne eine “Tzzz-Church” und will damit ermutigen, möglichst jeden Gottesdienst zu besuchen, weil einem sonst eben dieses Tzzz über die Lippen geht, wenn man hört, was man verpasst hat.

Am Sonntag folgten dann zwei Morgengottesdienste mit vielen Besuchern. Für den Abend ist ein Family-Konzert angekündigt und weil es am Sonntagabend immer viele Leute im Gottesdienst hat, gehe ich schon eine halbe Stunde vor Beginn zur Kirche. Das Gebäude hat 3500 Sitzplätze, doch als ich ins Auditorium eintrete, habe ich Mühe, frei Plätze auszumachen. Glücklicherweise treffe ich unter den vielen Leuten rasch einmal auf einen Freund aus meiner Cell (Hauskreis). Er ist schon seit über einer halben Stunde hier und hat eine ganze Sitzreihe für uns Jungs reserviert.

Ich habe noch keine andere Gemeinde erlebt, die so gut organisiert ist wie die Hillsong Church. Mindestens jeder zweite “Carparker”, “Usher” oder “Security Man” ist mit Funk ausgerüstet und so jederzeit erreichbar. Jeder Helfer weiss genau, was sein Job ist, und erledigt ihn mit grosser Hingabe. So versuchen die “Usher” denn auch alles, mit zusätzlichen Stühlen den
hereinströmenden Besuchern einen Platz im Auditorium zu bescheren - doch es sind schlicht zu viele Leute.

Da kommt einem der Jugendpastoren die grandiose Idee, die Jungen könnten ihre Sitze räumen und auf den Gängen ausharren. Davon bin ich nun auch betroffen und kann mir als Schweizer ein leichtes Murren nicht verkneifen. Muss in unserer Gesellschaft liegen, denn die Aussis sind da einiges unkomplizierter. Kaum haben wir uns auf den Treppen-Gängen hingesetzt, kommt der nächste Appell an uns. Wir sollen ins “Basement” (Keller) ausweichen, einem grossen Raum direkt neben dem Auditorium, und die ganze Show via zwei Grossleinwände mitverfolgen. – Naja, da wäre ich doch lieber auf den Treppen gesessen, aber das war wohl feuerpolizeilich nicht ganz in Ordnung.

So verfolge ich den äusserst unterhaltsamen Abend mit einigen hundert Leuten auf den Leinwänden und fühle mich eher wie im Kino als in der Kirche. Für die vielen Kinder kommt der Osterhase auch bei uns vorbei und verteilt Ostereier. War für die Kids bestimmt das Highlight des Abends – und siehe da: der Osterhase hat sogar noch etwas Schockolade für die Grösseren übrig.

Musikalisch geht es auch ganz bunt zu und her. Neben üblicher Hillsong-Music tritt an diesem Abend die christliche Gruppe “The Lads” aus Neuseeland auf, die mit ihrem Punk-Rock-Worship Act und ihrem witzigen Sänger für Begeisterung sorgt. Auch eine Kurzversion von “American Idols” oder “Deutschland sucht den Superstar” hat im Programm Platz.

Zum Schluss des Abends wird es dann nochmals ernst. Mit wenigen Worten wird erklärt, wieso wir hier zusammen sind und Ostern feiern. An diesem Abend entscheiden sich viele Menschen für Jesus. Es ist wunderbar zu sehen, wenn Menschen auf Gottes Einladung antworten, sich auf Christus als Retter und Herrn einlassen und durch ein simples Gebet buchstäblich “dem Tod entrissen” werden. Dafür ist Jesus gestorben. Und nichts dürfte ihm mehr gefallen, als wenn seine Geschöpfe dies erkennen und ihn als Erlöser annehmen.

Auch bei uns im Basement entscheiden sich Menschen für Jesus. Als Geschenk erhalten sie eine Bibel von der Gemeinde und werden gebeten, ihre Personalien anzugeben, damit die Gemeinde ihnen wo immer möglich helfen kann.

Dies erinnert mich daran, dass ich kurz nach meiner Ankunft hier in Australien einen Anruf von einem jungen Leiter der Church erhalten habe, der sich nach meinem Wohlbefinden erkundigte und feststellen wollte, ob ich mich auch gut in der Church zurechtfinde. Damals war ich ziemlich überrascht – fand es aber sehr schön zu sehen, dass dieses Nachfragen wirklich stattfindet. Wunderte mich nur, wie sie auf meine Nummer gekommen waren.

Autor: Samuel Müller

Datum: 26.04.2003
Quelle: Livenet.ch

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