Apartheid in Pakistan

Gebiete von Minderheiten bewusst ungeschützt

Die Regierung der Provinz Sindh in Pakistan habe Gebiete von Nichtmoslems absichtlich dem Hochwasser preisgegeben. Das berichtet das katholische Hilfswerk «Kirche in Not».

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Mehrere Millionen Menschen flohen vor den Fluten, die hier eine Brücke zerstört haben. (Foto: Wikipedia, Horace Murray/US-Armee)

Das Hilfswerk beruft sich auf einen Kirchenvertreter aus Pakistan, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will. Es habe «Prioritätsgebiete» für den Hochwasserschutz gegeben, um vor allem die Ländereien wohlhabender Moslems zu schützen. Das sei der Grund, warum die «Ärmsten der Armen» von der Katastrophe besonders betroffen seien. Auch verschiedene andere Hilfswerke bemängelten, dass die Hilfe von Regierungsseite teilweise selektiv geschehe.

Zusammen mit den Grossgrundbesitzern

In der Provinz Sindh im Südosten des Landes gebe es beispielsweise für bekannte hochwassergefährdete Abschnitte des Flusses Indus. Sie seien vor der Flutkatastrophe absichtlich nicht gesichert worden, um das Wasser in Gebiete zu leiten, die vor allem von Christen oder Hindus bewohnt würden.

Der Informant wirft Regierungsvertretern der Provinz Sindh vor, mit den örtlichen Grossgrundbesitzern unter einer Decke zu stecken.

«Bewusst und billigend geplant»

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Die Überschwemmung zerstörte hier eine Brücke im Swattal. (Foto: Wikipedia, Monica Smith/ US-Armee)
Weiter sagte der Kirchenvertreter, es sei erschreckend, dass der fehlende Hochwasserschutz für die benachteiligte Gegend «nicht einfach nur Inkompetenz» von seiten der Behörden gewesen sei. Das Leiden der armen Bevölkerung sei von den Behörden vielmehr «bewusst und billigend geplant» gewesen.

Er sei erschrocken, als er die Region bereist habe und die Flüsse «unglaublich voll», aber die grossen Hochwasserkanäle nebenan «relativ leer» gesehen habe. Das habe in ihm den Verdacht geweckt, dass die Fluten in Gegenden mit «geringer Bedeutung» geleitet werden sollten.

Die von der Flut am meisten betroffenen Städte sind Jacobabad, Sukkur, Larkana, Shikarpur, Thatta und Ranipur. Ausgerechnet in diesen Regionen lebten nach Angaben des Informanten auch die meisten Nichtmoslems im gesamten Land. Er forderte darum, dass Hilfswerke nun vor allem den Minderheiten helfen müssten. «Kirche in Not» verteilt die Hilfe für die Flutopfer in Pakistan gemäss ihrer Medienmitteilung grundsätzlich über die heimischen Kirchen.

In christliches Dorf umgeleitet

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Hier überflutet die Wassermasse eine Gegend im Swattal. (Foto: Wikipedia, Monica Smith/ US-Armee)
Der Bau eines Damms sollte bestimmte Gebiete vor Überschwemmungen schützen und leitete dabei einen Fluss in ein von Christen bewohntes Dorf um, berichtet etwa «kath.net». Die Seite beruft sich dabei auf einheimische Hilfswerke aus dem Punjab, einem Bundesstaat im Norden Pakistans.

So seien etwa die Bewohner des christlichen Dorfes Khokharabad in der Nähe von Multan von dieser Massnahme betroffen. Sie gefährdeten der Leben, Wohnungen und Felder. Das Dorf befindet sich nahe Muaffargarh in der Umgebung von Multan im Süden der Provinz Punjab.

Laut den Vereinten Nationen mussten rund 800.000 Menschen das Gebiet bereits verlassen. Das betroffene Dorf wurde inzwischen vollkommen von den Wassermassen überflutet, was schwerste Schäden für die Einwohner mit sich brachte. Sie sind grösstenteils arme Bauern, die sich von dem ernähren, was auf ihren Feldern wächst.

Anders stellt Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani laut «NZZ» die Lage dar. Er warnte davor, Spenden an Nichtregierungsorganisationen zu überweisen. Er erklärte an einer Pressekonferenz in seiner Heimatstadt Multan, 80 Prozent dieser Hilfe würde nicht bei den Bedürftigen ankommen. Deshalb sollten Spendengelder direkt an seine Regierung gehen.
 

Datum: 08.09.2010

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