Malediven
Blaues Paradies ohne Freiheit
Die Partei des früheren Dikators Gayoom drängt den 2008 gewählten Präsidenten Mohammed Nashid, die islamische Prägung der Malediven zu schützen. Das Inselreich ist in eine politische Krise gestürzt.
Der im Oktober 2008 gewählte neue Präsident, ein früherer Journalist und Aktivist, hat im Parlament keine Mehrheit. Die Reformerwartungen, die mit seiner Person verbunden waren, haben sich bisher nicht erfüllt.
Die Opposition unter Gayoom betrieb die Absetzung des Erziehungsministers, weil er Islam-Lektionen in der Sekundarschule fakultativ machen wollte. Darauf trat die gesamte Regierung am 29. Juni zurück; die Malediven stürzten in eine politische Krise, mit Strassenprotesten und Verhaftungen.
Was dem Islam entgegensteht, ist auf den Malediven unerwünscht: Das lesen Touristen, wenn sie die Trauminseln anfliegen. Der Kleinstaat im Indischen Ozean will eine Bevölkerung von 100 Prozent Muslimen. Die jährlich 60‘000 Touristen, die viel Geld für die Luxus-Destination ausgeben, besuchen die 200 Inseln kaum, auf denen die gut 300‘000 Einheimischen leben. Und das ist beabsichtigt: Anderer Religion sollen sie nicht ausgesetzt werden.
Unglaube verboten
Der Religionswechsel und Gottlosigkeit sind auf den Malediven nicht gestattet. Die Zahl einheimischer Christen sei an wenigen Händen abzuzählen, heisst es. Der Vizepräsident der Menschenrechtskommission der Malediven sagte dem Nachrichtendienst Compass Direct, der Staat schütze die Bürgerrechte im Rahmen der Scharia, dem islamischen Gesetz, und internationaler Konventionen, mit Ausnahme der Religionsfreiheit. Sie werde von nicht mehr als 100 Personen im Land begehrt. Ein 37-Jähriger erzählte einem indischen islamischen TV-Prediger in einer Veranstaltung mit 1.000 Besuchern, ihm mache das Glauben Mühe. Darauf wurde er misshandelt, wütende Muslime wollten ihn umbringen. Nicht-Muslime können nicht Bürger der Malediven werden.
Ausländer überwacht
Ausländische Christen sind verhaftet worden, weil sie Versammlungen in Wohnhäusern besuchten. Ein Ausländer liest die Bibel nur online, dass das Buch bei ihm nicht gefunden werden kann. 1998 wurden auf einen Schlag 19 Ausländer ausgeschafft. Der langjährige Diktator Maumoon Abdul Gayoom machte Druck auf die Behörden der Seychellen, so dass christliche Radiosendungen, von dort ausgestrahlt, eingestellt wurden.
Islamische Extremisten haben dem Staat den Kampf angesagt. Die Partei des Diktators macht für die zunehmende Unruhe in der Bevölkerung fremde Prediger, namentlich Wahhabiten, verantwortlich, die der Präsident nun ins Land lasse. Dessen Partei behauptet, Gayooms strikte Linie habe die Malediver für den Fanatismus von pakistanischen Dschihad-Predigern anfällig gemacht.
Quelle: Livenet/ Compass Direct

