Indonesien vor stürmischem Sommer?
Bei Zuwiderhandlungen drohen fünf Jahre Gefängnis. Radikale islamische Bewegungen fordern ein totales Verbot der Ahmadiya. Menschenrechtsanwälte wollen das Dekret vor dem Verfassungsgericht anfechten, weil es die religiöse Freiheit im Inselreich weiter einschränkt, ebenso die Ahmadis selbst.
Fatwa gegen Abweichler
Die Islamisten agitieren seit den 1990er Jahren verstärkt in Indonesien. Im Juli 2005 erliess der Rat der islamischen Gelehrten (MUI) eine Fatwa; danach sind „religiöse Lehren, die von Pluralismus, Liberalismus und Säkularismus beeinflusst sind“, unislamisch. Die Ahmadis wurden schon damals als abgefallen bezeichnet. Die Gewalt gegen sie schloss das Abbrennen von Moscheen ein. Die Ahmadiya-Sekte war 1889 von Mirza Ghulam Ahmad Qadiani im heutigen Pakistan gegründet worden.
Wenn Toleranz nicht sein darf
Am 1. Juni attackierten militante Islamisten in der Hauptstadt Jakarta eine Versammlung von 1500 Personen, die zusammengekommen waren, um die vom langjährigen Diktator Suharto geschaffene Staatslehre Pancasila zu feiern. Mit Pancasila garantierte Suharto verschiedenen etablierten Religionen Anerkennung und förderte damit religiöse Toleranz. Davon profitierten auch die christlichen Kirchen während Jahrzehnten.
Instabilität
Das Ringen um das Ahmadiya-Verbot könnte laut Beobachtern Indonesiens Muslime gegeneinander aufbringen, dem amtierenden Staatspräsidenten Susilo Bambang Yudhoyono die Wiederwahl kosten und mehr Gewalt gegen Minderheiten provozieren. Im dem Fall wird auch der Zerbruch des nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen instabilen Staats befürchtet.
Der australische Asienspezialist Prof. Merle Ricklefs vermutet, dass die Polarisierung manche Muslime so anwidert, dass sie den radikalen Bewegungen den Rücken kehren und teils sogar dem Islam absagen und Christen werden!
Quellen: Livenet / WEA

