Anti-islamische Provokation

Keine Koranverbrennung in Florida

Terry Jones will am 11. September den Koran nicht verbrennen. Er erklärte am Donnerstag, auf die Aktion zu verzichten – oder sie jedenfalls aufzuschieben. Der Leiter einer kleinen christlichen Gruppe in Florida hatte die Emotionen der US-Amerikaner zum Jahrestag der Anschläge auf New York und Washington mit Hilfe der Medien rücksichtslos ausgebeutet. Die blosse Ankündigung reichte: Durch die islamische Welt ging eine Welle der Empörung, die zu Vergeltungsaktionen gegen Christen führen könnte.

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Ursprung der Empörung in der islamischen Welt: Das «Dove World Outreach Center» in Florida.

Terry D. Jones, Leiter des «Dove World Outreach Center» in Gainesville in Florida, hatte den 11. September grosssprecherisch zum «Internationalen Koran-Verbrennungs-Tag» erklärt. Kirchenvertreter und Politiker in den USA und vielen Ländern verurteilten das Vorhaben scharf. Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland, Martin Schindehütte, sprach von einer «unerträglichen Provokation». Laut dem Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth, kann das Recht auf Religionsfreiheit nicht von einer bestimmten Gruppe unter Ausschluss anderer in Anspruch genommen werden.

«Auf Fanatismus verzichten»

Der Vatikan sah in der geplanten Aktion eine «schwerwiegende Beleidigung eines von einer Religionsgemeinschaft als heilig angesehenen Buchs». Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zog Parallelen zu den Bücherverbrennungen der NS-Zeit. Der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Petraeus, warnte vor Rückschlägen, die der Westen am Hindukusch infolge der Verbrennungsaktion erleiden könnte. Die Aktion spiele der Propaganda der Taliban in die Hände und könne «schwerwiegende Probleme» hervorrufen - nicht nur in Afghanistan.

Muslime rund um den Globus empörten sich darüber, dass ein «Christ» das Buch, das nach ihrer Lehre vom Himmel gefallen ist, schänden wollte. Der irakische Kirchenführer Erzbischof Louis Sako forderte dringend eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen, «um auf Fanatismus und Gewalt zu verzichten, die die grösste Bedrohung der Religionen darstellen».

Kein Evangelikaler

In den Medien wird Terry D. Jones (58) irrigerweise als «Evangelikaler» bezeichnet. Laut dem deutschen Medienmagazin Pro kam Jones, der zuvor angeblich als Hotelmanager arbeitete, Anfang der 1980er Jahre nach Deutschland und gründete nach einem kurzen Aufenthalt in München die Christliche Gemeinde Köln (CGK). Die moderne Musik liess der neuen Gemeinde viele Junge zuströmen; um 1995 hatte sie über 800 Gottesdienstbesucher. Doch das diktatorische Gehabe von Jones war laut Pro mit einem Klima von Angst und Kontrolle verbunden. «Kritik wurde im Keim erstickt und entweder als Rebellion oder als Stolz bezeichnet, beides «Todsünden» in der CGK. Terry Jones und seine Frau Sylvia sahen sich als die von Gott eingesetzten Leiter der Gemeinde, denen nicht widersprochen werden durfte», schreibt Pro.

In den 90er Jahren erregte der Pastor Aufsehen, als er gemeinsam mit Scientologen vor dem US-Kongress über die angebliche Verfolgung christlicher Minderheiten in Europa berichtete. In Köln reagierte Jones auf seine Art: mit einem Mix von Heilsversprechen, Drohungen und Manipulation. Als die Gemeinde gleichwohl Mitglieder verlor, wurden die Verbleibenden umso mehr zu Spenden und Fronarbeit gedrängt. «Man musste viel für die Gemeinde arbeiten», sagt ein Aussteiger. «Man machte das ja für Gott, und das musste reichen.»

Jahrelange Manipulation provozierte Rauswurf

Manipulation und religiöser Missbrauch provozierten im Januar 2008 endlich die Absetzung von Jones. Er wurde darauf Pastor des «Dove World Outreach Center» in Florida, einer Gemeinde, die mit der Christlichen Gemeinde Köln freundschaftlich verbunden war. Laut Stephan Baar, Mitglied der heutigen CGK-Gemeindeleitung, ist Terry Jones von der «Sucht nach Ruhm und Anerkennung» getrieben. Leider, so Baar, müsse er die CGK unter Jones aus heutiger Sicht als Sekte bezeichnen. Die noch von 60 bis 80 Menschen besuchte Gemeinde hat jeden Kontakt zu ihrem Gründer abgebrochen und distanziert sich «aufs äusserste» von ihm.

«Islam vom Teufel»

Terry D. Jones hat eine Broschüre mit dem Titel «Der Islam ist vom Teufel» verfasst. In einem Video wirbt er dafür mit den Worten: «Der Islam maskiert sich als eine Religion des Friedens und der Harmonie, wo er doch in Tat und Wahrheit eine Religion der Gewalt und der Unterdrückung ist. Der Islam ist eine Religion, der unsere Lebensweise bedroht.» Zudem, so Jones, sei der Islam «auch ein politisches System».

Mit seiner groben Polemik beutet Jones die Emotionen vieler Landsleute aus, die ihre Nation durch gewalttätige Muslime gefährdet sehen. Die Wogen gehen hoch, seitdem über die Errichtung eines islamischen Zentrums in der Nachbarschaft von Ground Zero auf Manhattan debattiert wird. «Wir müssen eine klare Botschaft an den radikalen Islam senden, dass wir seine Drohungen und die Verbreitung von Angst hier bei uns in Amerika nicht tolerieren», meinte Jones auf die Warnung von General Petraeus. In den USA ist Gotteslästerung nicht strafbar, sondern wird vom Recht auf Meinungsfreiheit nach dem Ersten Verfassungszusatz geschützt. 

Datum: 09.09.2010
Quelle: Livenet / Medienmagazin Pro, epd

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