Mormonische Polygamisten

Mädchen «wie Giftschlangen» behandeln

Ein Verfahren vor dem Obersten Gericht des kanadischen Weststaates British Columbia wirft ein Schlaglicht auf die Zwänge in mormonischen Splittergruppen.

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Winston Blackmore
Truman Oler (28) wuchs in der polygamen Gemeinschaft «Bountiful» auf und stieg vor sieben Jahren aus. Nun sagt er in einer eidesstattlichen Erklärung aus, dass die heranwachsenden Burschen gelehrt wurden, sich von den Mädchen, ihren Halbschwestern und Cousinen, fernzuhalten. Sie sollten nicht mit ihnen reden oder spielen und sie «wie Giftschlangen» behandeln. Den Mädchen wurde eingetrichtert, dass sie «viele Kinder haben und den Männern gehorchen» sollten.

Laut Olers Statement wurde den Jungen der abgeschotteten Gemeinschaft nicht gelehrt, dass die Blutsverwandtschaft sexuelle Beziehungen ausschliesst. (Das Kontaktverbot dürfte darauf abzielen, dass die Mädchen ihre Jungfräulichkeit bewahren – für die erwachsenen, teils viel älteren Männer, denen sie zur Frau werden; Red.)

Abgeschottet

Die Sekte «Bountiful» (wörtlich: reichlich) ist eine der polygamen Splittergruppen des Mormonentums. Trotz ihrer Praktiken ist sie von der kanadischen Justiz über 50 Jahre kaum behelligt worden. Ihr Führer Winston Blackmore, der laut Angaben seiner ersten Gattin über 25 Frauen geehelicht hat, zerstritt sich 2002 mit dem in den USA seither verurteilten Warren Jeffs.

Daphne Bramham, eine Journalistin der Zeitung «Vancouver Sun», hat in ihrem Buch «Die geheimen Leben der Heiligen: Kinderbräute und verlorene Knaben in einer polygamen Mormonen-Sekte» die Untätigkeit der kanadischen Behörden angeprangert. Ein Staatsanwalt hatte im Januar 2009 ein Verfahren gegen Blackmore und seinen Rivalen James Oler, Truman Olers Bruder, beantragt. Doch das Oberste Gericht von British Columbia gab dem Begehren nicht statt. Darauf fragte die Regierung des Gliedstaates das Gericht an, ob das Verbot der Polygamie im Strafgesetzbuch verfassungsgemäss sei. Die Aussagen Olers finden sich in seinem Statement für das Gerichtsverfahren.

Patriarchen mit Jenseits-Vollmacht

Die Mormonenreligion, die den Männern die Autorität über das irdische und ewige Geschick ihrer Frau(en) gibt, schloss ursprünglich die Polygamie ein. Der Staat Utah erkaufte seine Aufnahme in die USA 1896 mit dem offiziellen Verbot der Polygamie, doch in der Abgeschiedenheit seiner Täler wurde sie in Splittergruppen (meist ungehindert) weiter praktiziert. Die grösste aktuelle Gruppierung nennt sich «Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage»; wegen der Verbrechen ihres Führers Warren Jeffs‘ kam sie in die Schlagzeilen. Aufgrund der hohen Kinderzahl könnte die Anhängerschaft der Polygamisten in Nordamerika 50.000 Personen erreichen.
 

Datum: 03.09.2010
Quelle: Livenet / The Globe and Mail

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