Marokko

Was wird aus Simo?

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Simo mit seiner Pflegmutter und zwei «Schwestern», Volontärinnen des «Dorfs der Hoffnung» – kurz nachdem sie von ihrer Ausweisung erfahren haben.
Simo war einer der Jüngsten im Waisenhaus «Dorf der Hoffnung», das ausländische Christen im Dorf Ain Leuh führten. Sie wurden alle vor einer Woche ausgewiesen; sein Schicksal ist ungewiss.

Am Tag seiner Geburt war Simo ins Waisenhaus «Dorf der Hoffnung» gebracht worden. Seine minderjährige, alleinstehende Mutter wusste weder aus noch ein und liess den Neugeborenen in kritischem Zustand allein. Er hatte Mühe zu atmen. Die Betreuer eilten mit ihm ins Spital, wo ihn die holländische Krankenschwester des Waisenhausteams reanimierte. Simo blieb acht Wochen im Spital; dann erlaubten die marokkanischen Behörden, dass ihn das Waisenhaus in Pflege nahm. Er wog unter 2800 Gramm, weniger als bei der Geburt, und nahm kaum Nahrung auf.

Behindert - aber glücklich

Rund um die Uhr betreuten ihn die Schwestern im Waisenhaus - bis er an Gewicht zunahm. Nach Monaten ging es ihm so gut, dass er einer der Familien übergeben werden konnte. Seine Pflegeltern hegten ihn umso mehr, als eine zerebrale Schädigung diagnostiziert wurde. Doch mit der Abgabe der richtigen Medikamente und liebevoller Förderung entwickelte sich Simo zu einem zufriedenen Kleinkind - bis zu dem Tag, als das ganze Team des «Dorfs der Hoffnung», alle Pflegeltern, Krankenschwestern und Volontäre, aus dem Land gewiesen wurde.

Und nun?

Der Schrecken dieses 8. März 2010 lässt sich vom Bild ablesen, auf dem zwei Volontärinnen und die Krankenschwester zu sehen sind. Was nun mit Simo geschehen wird, der ohne die intensive Pflege durch das Waisenhausteam nicht überlebt hätte - niemand weiss es. Die Ausgewiesenen erfuhren, dass sich sein Zustand innert 15 Stunden nach der Trennung verschlechterte. Simo wurde in ein Spital gebracht, da die temporär eingesetzten einheimischen Betreuer ihn nicht zu betreuen vermochten. «Wir hoffen, dass er weiterhin die besondere Fürsorge bekommt, die er braucht, dass Menschen ihn noch besuchen dürfen und halten können, mit ihm reden und ihm zu verstehen geben können, dass er geliebt wird.»

Die Ehre der Familie - und ihr Preis

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Ein Ausländer, Kenner von Ain Leuh, hörte Reaktionen von einheimischen Radiohörern auf die Ausweisung der Waisenhausbetreiber. Nicht Empörung bekundeten sie, sondern Verständnis. Offensichtlich, so schloss er, ist es in den Augen der Marokkaner besser, die Kinder ihren Pflegeltern zu entreissen, als sie weiter unter ihrem (christlichen) Einfluss zu belassen.

Laut dem Bericht wird die Gegend von Ain Leuh im Land mit Prostitution assoziiert. «Wenn junge Frauen schwanger werden, kommen sie nicht selten zur Geburt hierher und werden dann von ihrer Familie unter Druck gesetzt, das Baby zu verlassen. In einer Ehre-Scham-Kultur kann eine Frau heiraten, wenn in der Hochzeitsnacht das Bettlaken blutig wird - auch wenn jeder weiss, dass sie nicht mehr Jungfrau ist. Hat sie jedoch ein Baby, findet sie keinen Mann mehr.»

Geborgen in Pflegefamilien

Die Christen hatten das Waisenhaus 1999 übernommen (es war zuvor von zwei älteren Frauen geführt worden, von denen die kräftigere starb), um eben diese verlassenen Babies aufzunehmen - und sie machten kein Hehl aus ihrer christlichen Motivation. Die Kinder wurden in Pflegefamilien eingegliedert; die Eltern verpflichteten sich, bis zum 18. Geburtstag des jüngsten für sie dazusein.

Dutzende Ausländer im Visier

Die marokkanischen Behörden haben laut einer gutinformierten Quelle neben den 20 Betreuern des «Dorfs der Hoffnung» mindestens 20 weitere Ausländer ausgewiesen. In der US-Botschaft in Marokko liegt eine Liste auf mit 40 Namen von US-Amerikanern, die nicht mehr nach Marokko einreisen dürfen. Man hat Ausländern die Aufenthaltsbewilligung entzogen; sie müssen das Land innert 15 Tagen verlassen und haben bloss 48 Stunden Zeit für einen Einspruch vor dem Verwaltungsgericht. Die Verhörten konnten keinen Anwalt beiziehen.

Die ausgewiesenen Waiseneltern wollen um das Recht kämpfen, «ihren» Kindern Geborgenheit und Liebe zu schenken. Sie bitten Christen weltweit, für sie zu beten.

Link zum Thema:
Stellungnahme der Eltern des «Dorfs der Hoffnung»

Datum: 16.03.2010

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