ABS CEO Martin Rohner

«Es braucht ein ganz anderes Bankengesetz!»

Martin Rohner, «Banker des Jahres 2016», präsentiert mit der Alternativen Bank (ABS) Schweiz ein Gegenmodell zur Bankenwelt. Es orientiert sich streng an Kriterien wie Transparenz, soziale Verantwortung und Ökologie. Wir sprachen mit ihm am Hauptsitz der Bank in Olten darüber... (2. Teil)

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Martin Rohner
Livenet: Herr Rohner, mit welchem Hauptargument bewegen Sie Menschen, ihr Geld bei der ABS anzulegen oder ein Konto zu eröffnen?
Martin Rohner:
Das wichtigste Argument ist unser kohärentes Geschäftsmodell. Nachhaltigkeit ist bei uns kein Nischenprodukt, sondern Programm.

Die meisten Bankkunden wollen, dass ihre Bank möglichst viel aus ihrem Geld macht ...
Unsere Kundschaft tickt da ein wenig anders. Sie ist nicht Rendite-getrieben. Die Kunden wollen zwar ihr Geld nicht verlieren, sie wollen es aber wirkungsvoll, also sozial und ökologisch sinnvoll, anlegen.

Ist das ein Wachstumsmarkt?
Das Wachstum der ABS erklärt sich nicht zuletzt damit, dass dieser Markt in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Wir erkennen in der Gesellschaft eine zunehmende Ablehnung konventioneller Ansätze. Die Menschen suchen nach neuen Ansätzen. Themen wie das Klima oder die Biodiversität haben an Bedeutung gewonnen. Die Leute wünschen generell eine suffizientere Wirtschaft. Und sie stellen sich die Frage: Welche Bank passt zu mir?

Was verstehen Sie unter einer «suffizienten Wirtschaft»?
Ich denke an eine Wirtschaft, die nicht nur wachsen will, sondern neue Geschäftsmodelle entwickelt, die die Ressourcen schonender nutzen. Modelle, die mit den natürlichen Ressourcen in Einklang sind.

Können Sie den Kunden auch speziell attraktive Produkte anbieten?
«Grundsätzlich sind unsere Geschäftsaktivitäten auf Projekte mit einem gesellschaftlichen oder ökologischen Mehrwert ausgerichtet, etwa die Finanzierung der biologischen Landwirtschaft, des gemeinnützigen genossenschaftlichen Wohnungsbau und der erneuerbare Energien. Anlegerinnen und Anlegern bieten wir spezielle Produkte an, um bestimmte Themen zu fördern. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel das Oikocredit Förderkonto lanciert, über das unsere Kundinnen und Kunden diese Mikrofinanzgenossenschaft  refinanzieren. Oder wir bieten im Anlagegeschäft spezielle Impact-Fonds an, welche auf bestimmte Wirkungsthemen ausgerichtet sind.»

Was muss sich nach Überzeugung der ABS im Schweizer Bankensystem ändern?
Sehr viel. Erstens betreiben die meisten Banken Gewinnmaximierung. Das führt zu falschen finanziellen Anreizen und Exzessen. Die Banken sollten angehalten werden, nur so viel Gewinn zu erwirtschaften, wie für ihr langfristiges Überleben notwendig ist. Zweitens sollten sie sich mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auseinandersetzen: Die Banken verstehen sich heute als neutrale Vermittlerinnen vom Geld. In der Tat prägen die Banken mit jedem Anlage- und Finanzierungsentscheid unsere Gesellschaft. Sie müssen sich dieser Verantwortung bewusst werden und lernen, damit umzugehen. Drittens müssen die Banken Rechenschaft ablegen. Sie müssen transparenter werden, sodass die Kunden nachvollziehen können, was mit ihrem Geld passiert.

Die Einsicht allein dürfte wohl nicht genügen. Wie viel Staat braucht es dazu?
Weil die Banken nicht von selbst zur Einsicht kommen, braucht es auch die Politik. Sie muss deutlich machen, welche Erwartungen sie an das Finanzsystem hat. Reichen Arbeitsplätze und Steuersubstrat als Daseinsberechtigung für die Banken, oder gibt es weitere Erwartungen? Die Politik sollte minimale Normen und Grundsätze für die Banken schaffen, zum Beispiel bezüglich sozialen und ökologischen Anforderungen.

Lesen Sie auch den ersten Teil dieses Gesprächs: «Was nützt uns mehr Gewinn, wenn das Klima kippt?»

Martin Rohner (52) ist seit 2012 CEO der Alternativen Bank Schweiz. 2016 wurde er in einer Umfrage des Wirtschaftsmagazins Cash zum Banker des Jahres erkoren. Sein beruflicher Weg verlief nach dem Wirtschaftsstudium an den Universitäten Basel, St. Gallen und Cambridge ins Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), zur Entwicklungs- und Weltbank in Washington und dann zur Leitung der Max Havelaar-Stiftung. An der Universität Cambridge schrieb er 1993 eine Diplomarbeit mit dem Titel «Umweltpolitik bei kommerziellen Banken». Rohner ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Die 1990 gegründete Alternative Bank Schweiz verfolgt nebst ihrer ökologischen und sozialen Ausrichtung seit ihren Anfängen eine konsequente Weissgeldstrategie.

Datum: 02.01.2018
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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