Bahnhofhilfe

Engel in Leuchtwesten

Man sieht sie in den Bahnhofshallen. Mit Leuchtweste und aufmerksamen Blicken scannen sie die Passanten, ob jemand Hilfe braucht – die SOS Bahnhofhilfe. Vor über 130 Jahren gegründet und heute fast nicht wegzudenken, sind sie in Olten, Chiasso, Biel und anderen Städten aktiv. In Biel arbeitet Beatrice Jenni mit und ist seit 2005 präsent.

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Beatrice Jenni
Ihre Erscheinung hat was Mütterliches, sie strahlt Interesse am Menschen aus. Und speziell ist der Gegensatz zwischen ihrer Zurückhaltung im täglichen Bahnhofs-Treiben und der grell leuchtenden Weste, welche ihren Job signalisiert.

«Unsere Aufgabe ist vor allem, alten Menschen und 'Menschen mit Beeinträchtigung' auf dem Bahnhof zu helfen; Hilfe bei den Billetautomaten oder beim Ein- und Aussteigen», berichtet Beatrice Jenni. «Für Rollstuhlfahrer brauchen wir spezielle Lifte, dafür mussten wir einen Ausbildungskurs machen. Es kommt auch vor, dass wir einen verwirrten Menschen im BH antreffen. Dann haben wir noch Reserve-Kleider, wenn jemand blutverschmiert oder verschmutzt mit Erbrochenem ist.

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Bahnhofhilfe in Biel
Wir haben ein paar Personen, die wir regelmässig betreuen. Eine gelähmte Frau im Rollstuhl und eine blinde Frau begleiten wir mehrmals pro Woche. Am meisten jedoch geben wir Auskünfte; wo ist der Bus..., wo sind WCs ..., wie komme ich in die Altstadt... und vieles mehr», so Beatrice Jenni zu ihren Aufgaben.

Starkes Nervenkostüm

Wie viele soziale Schweizer Institutionen, hat auch die Bahnhofhilfe einen christlich-kirchlichen Hintergrund. Damals reagierten die Dachverbände COMPAGNA (reformiert) und PRO FILIA (katholisch) Schweiz auf die einsetzende Arbeitsmigration junger Frauen und unterstützten sie mit Beratung, Bildung und Unterkunft. Heutzutage sind die HelferInnen angestellt und auch mit der SBB verknüpft.

Was innerlich bei ihr abgeht, erzählt die ausgebildete Krankenschwester so: «Spezielles bringt mich nicht so schnell aus der Ruhe. Ich habe mal eine Zeit lang auf dem Notfall im 'Kinderspital Wildermeth' gearbeitet. Ich bin der Typ, der bei Notfällen ruhig ist und überlegt handeln kann und erst danach das grosse Zittern bekommt. Meine Motivation ist das Helfen, der Kontakt mit Menschen. Zum Nervlichen muss ich anfügen, dass Gott mir diesen Charakter geschenkt hat, und dass ich immer vor Beginn meiner Arbeit bete. Wenn ich an schwierige Situationen komme, bete ich innerlich und fühle mich dadurch getragen. Das ist für mich zu einer Lebenshaltung geworden, das mache ich auch im Altersheim und privat; zum Beispiel, wenn ich meine Schlüssel nicht finde.»

Sie habe viele Gespräche am Bahnhof, sagt Beatrice Jenni weiter. «Weil wir einfach da sind, kommen auch ältere, einsame Leute oder frustrierte Reisende. Da ist es mir sehr wichtig sie zu ermutigen, positive, aufstellende Gespräche zu führen und manchmal sprechen wir auch über den Glauben.»

Kleider, Koffer und Hunde

Der Kern der Bahnhofhilfe sind persönliche Begegnungen; über all die Jahre ihres Dienstes sind bei Beatrice Jenni einige zusammengekommen: «Vieles geht verloren: Gepäck und sogar Hunde. Einmal bekam ich einen Anruf von der BHH Bern, im nächsten Zug von Bern sei ein Koffer von einem älteren Herrn, den ich holen müsse. Er war sehr aufgeregt, weil seine ganzen Medikamente im Koffer waren. Als der Zug kam, musste ich den Koffer nicht suchen, weil ein Flüchtlingspaar aus Eritrea, das die Sache beobachtet hatte, ausstieg und ihn mir übergab. Der ältere Herr kam mit dem nächsten Zug und fiel mir vor Erleichterung fast um den Hals.»

Zur Person

Beatrice Jenni: seit 36 Jahren verheiratet, Mutter 3 erwachsener Kindern, wohnhaft in Brügg (BE), Krankenschwester, 40% im Altersheim und 20% bei der Bahnhofhilfe
Hobbys: Beziehungen pflegen, Basteln (vor allem Schmuck) und Lesen.

Zur Webseite:
Bahnhofhilfe

Zum Thema:
Weckruf am Berner Bahnhof: 400 Aktivisten setzen ein Zeichen gegen Verfolgung
Seelsorge im Tabubereich: Eine Christin unterwegs zu den Sexsalons
CDK mit «Pulse Days»: «Das Wichtigste ist das Gebet»

Datum: 13.09.2017
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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