(K)eine Erfolgsgeschichte?

«Ich habe das Gefühl, Gott startete das Projekt nur für uns»

Das tschechische Projekt «Generation 21» hatte sich zum Ziel gesetzt, verfolgte Christen aus dem Nahen Osten in die Tschechische Republik umzusiedeln. Nur wenig verlief wie geplant. Ist das Projekt gescheitert? Jan Dezort von Generation 21 erklärt, warum er es trotz allem für einen Erfolg hält.

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Flüchtlingsunterkünfte in Prag
Um verfolgten Christen im Nahen Osten ganz praktisch zu helfen, initiierten Christen in Tschechien das Projekt «Generation 21». 153 Personen aus dem Nahen Osten wurden dafür auserwählt: Sie sollten die Möglichkeit erhalten, in die Tschechische Republik zu fliegen und dort ein neues Leben zu beginnen. Ganz legal. Jan Dezort, ein junger Anwalt, unterstützte das Projekt. «Ich hatte darüber nachgedacht und gebetet, wie ich einen Teil meiner Zeit für etwas Gutes einsetzen könnte. Dann hörte ich von Generation 21 und bot ihnen meine Hilfe an», berichtet Dezort in einem Interview mit Evangelical Focus.

Der Start des Projekts

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Jan Dezotz
Unterstützung erhielt das Projekt zunächst kaum. «Die Idee wurde von vielen als naiv und unmöglich abgetan.» Dennoch wurde Generation 21 fortgesetzt. Der Anwalt flog mit anderen Mitarbeitern nach Irak, um einige der christlichen Flüchtlinge vor Ort kennenzulernen. «Sie lebten in Wohnwagen, wenige Kilometer vom Flughafen entfernt. Der einzige Unterschied zwischen ihnen und uns war, dass sie einen anderen Pass besassen», der ihnen nicht erlaubte, nach Europa zu fliegen.

Die Mitarbeiter erstellten eine Liste von 153 Personen einschliesslich Kindern, welche einen Antrag auf Umsiedlung an die tschechische Regierung stellten. «Wir konnten ihnen nichts versprechen, aber wir hofften, dass wir allen von ihnen helfen könnten.» Doch es sollten noch Monate bis zur eigentlichen Umsiedlung vergehen. Einige von ihnen konnten in der Zwischenzeit in andere sichere Länder fliegen, andere änderten aus unterschiedlichsten Gründen ihre Meinung. Die Personen der Liste, die gewisse Bedingungen erfüllten, wurden schliesslich zur Umsiedlung freigestellt – 89 Menschen. Sie sollten in Tschechien ein neues Zuhause finden. 

Nur 35 Personen blieben…

Doch einmal in Tschechien angekommen, zog eine Grossfamilie nach Deutschland weiter, zwei Grossfamilien gingen in den Irak zurück. Derzeit leben und arbeiten von den ursprünglich 153 Personen nur 35 in der Tschechischen Republik. Auf diesem Hintergrund brach die tschechische Regierung das Projekt ab. Die 35 umgesiedelten Christen durften zwar in Tschechien bleiben, doch es können keine neuen Christen eingeflogen werden. Ist das Projekt gescheitert?

«Gott hat dies Projekt nur für mich gestartet»

Nein, findet Jan Dezort. «Alle [35 Umgesiedelten] besuchten vier Monate lang Tschechisch-Intensivkurse. Alle von ihnen leben in Wohnungen oder Häusern. Einige von ihnen arbeiten im IT, Catering-Service, als Zimmermann, Notarzthelfer, etc., eine Person ist Rentner. Andere suchen noch nach Arbeit. Aber alle Kinder gehen in die Schule.» Für diese 35 Personen hat sich der Einsatz gelohnt, empfindet Dezort. Er berichtet von einem Vater, der im Irak ein Abkommen mit Gott machte: Er sagte ihm, er würde seine Heimat nur verlassen, wenn die Reise nicht über andere Länder ging, wenn er seine ganze Familie mitnehmen könne und wenn jemand anderes alles organisierte. Heute lebt dieser Vater mit seiner ganzen Familie in Tschechien und erklärt: «Manchmal habe ich das Gefühl, Gott startete dieses ganze Projekt nur, um mir und meiner Familie einen neuen Lebensort zu schenken.» Es gebe auch viele schöne Integrations-Erlebnisse unter den Menschen. Deshalb empfindet Dezort das Projekt Generation 21 trotz allem als gelungen.

Was wäre, wenn…?

Wäre es anders verlaufen, wenn Generation 21 das Projekt anders angegangen wäre? Hätte vermieden werden können, dass über die Hälfte der Teilnehmer abspringen, in ihre Heimat zurückgehen oder in ein anderes Land ziehen? Vermutlich nicht. «Die harte Wahrheit ist, dass man versuchen könnte, vieles anders zu machen, aber das würde trotzdem kein anderes Ergebnis garantieren.» Zu viele Faktoren kommen hier mit ins Spiel: die extreme Vergangenheit der Kriegsopfer, die Art des Konflikts, die bestehenden Möglichkeiten, die grossen kulturellen Unterschiede zwischen dem Nahen Osten und Europa, und die Reaktion der teilnehmenden Christen, die sie selbst im Voraus gar nicht einschätzen können. «Ein Beispiel ist die grosse Frage, ob man die Grosseltern mitbringt. Sie sind häufig diejenigen, die am meisten Probleme mit der Integration haben und sich dann trotz aller Gefahren entschliessen, zurückzugehen. Aber die alten Familienmitglieder sind in der Kultur des Nahen Ostens unheimlich wichtig, ihre Entscheidungen werden respektiert. Da gibt es ein moralisches Dilemma.»

Und dennoch, 35 Personen haben von dem Projekt profitiert. «Es ist unmöglich, alles perfekt hinzubekommen, wenn die Situation so einzigartig ist. Wir konnten eine Chance nutzen, um Menschen zu helfen und wir haben das Beste mit dem gemacht, was in dem Moment nötig war.» 

Zum Thema:
Vom Flüchtling zum Helfer: «In der Not habe ich Gott richtig gut kennengelernt»
Der «jüdische Schindler»: Er rettete 128 Christen und Jesiden aus den Händen der ISIS

Datum: 17.02.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Evangelical Focus

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