Return-on-Investment

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Dr. Christoph Senft
Als ich Anfang der 90er Jahre eine einjährige Managementausbildung an einer renommierten europäischen Managementschule absolvierte, gab es unter uns Teilnehmern zwei Traumjobs: Management Consulting oder Investment Banking. Ich wählte damals den ersten Weg. Heute, viele Jahre später, bin ich Geschäftsführer einer Investmentbank, die auch einen eigenen Venture Capital Fond betreibt. Im Investment Banking ist man Berater für Unternehmen zu allen komplexen Fragen der Unternehmensfinanzierung, hauptsächlich beschäftigt man sich mit Firmenkäufen bzw. -verkäufen. Im Venture Capital Bereich geht es hingegen um «Risiko-Kapital», das von Investoren zur Verfügung gestellt wird, um Unternehmen in einer frühen Phase (oft schon bald nach Gründung) Wachstum und Umsetzung der Ideen der Gründer zu ermöglichen. Diese Gelder werden häufig in Venture Capital Fonds gebündelt, die, nach Risikogesichtspunkten breit gestreut in viele junge Unternehmen investiert werden. Für das zur Verfügung gestellte Kapital erhält der Venture Capitalist Anteile am Unternehmen. Er wird Miteigentümer und partizipiert somit direkt am zukünftigen Unternehmenserfolg. Im Falle eines Misserfolges erhält er seinen Einsatz nicht zurück, da es sich um Eigenkapital handelt. ¨

Nüchterne Zahlen

Typischerweise spielt nur ein Teil der finanzierten Unternehmen den Kapitaleinsatz wieder herein. Manche Unternehmen schaffen es gar nicht, einige wenige jedoch bringen das X-fache des ursprünglichen Investments zurück. Wer beispielsweise im Jahre 1979 auf eine unbekannte Start-up-Firma namens Microsoft gesetzt hatte, konnte in 10 Jahren sein Investment tausendfach gewinnen. Auch ohne solche Sonderfälle werden bei Auswahl, Betreuung und Verkauf der Investments je nach Geschick der Verwalter eines Venture Capital Fonds Renditen jenseits von 30% erzielt, d.h. ein Investment von 10.000 Euro in einen solchen Fond wirft eine jährliche Verzinsung von 3.000 Euro ab (wohlgemerkt bei entsprechendem Risiko). Der Erfolg wird ausschliesslich in nüchternen Zahlen, im sogenannten Return-on-Investment (RoI) gemessen.

Der RoI ist heute für jeden Manager eine wichtige Messzahl seines Handelns geworden. Jede Investition, die er tätigt, muss zukünftig entsprechende Erträge bringen; eine neue Druckmaschine muss mehr Zeitungen schneller drucken können, neue Mobilfunktürme müssen zusätzliche Gesprächsminuten in neuen Regionen generieren, neue Softwaresysteme müssen die Abläufe beschleunigen und effizienter gestalten. In der Regel ist es nicht ausreichend, dass nur die Investition sich wieder amortisiert (=einspielt), sondern dass sie auch einen positiven Überschuss, einen notwendigen Return, erwirtschaftet. Sonst hätte man das Geld für die Investition anderweitig besser verwenden, im einfachsten Fall auf ein Sparbuch legen können.

Investition in Mitarbeiter

Auch die Anstellung von Mitarbeitern ist sehr oft eine Investition: man investiert anfangs in die Ausbildungszeit und Anlernzeit bis der Mitarbeiter voll produktiv wird und letztendlich mehr erwirtschaftet als er durch seinen Arbeitslohn kostet, d.h. ab diesem Zeitpunkt Erträge erbringt. Im Investment Banking wird ebenfalls jegliches Handeln der Frage nach einem Return-on-Investment unterworfen. Während eine Investition in beispielsweise eine neue Maschine in der Regel zu einem von allen Beteiligten akzeptierten RoI führt, ist der Kauf von ganzen Unternehmen viel komplexer. Das gleiche Unternehmen wird von unterschiedlichen Käufern mit verschiedenen RoIs bemessen, die laut Untersuchungen weit variieren können. Der treibende Faktor ist immer die Bewertung, die ein Käufer einem zu kaufenden Unternehmen beimisst. Ich selbst habe schon sehr interessante Konstellationen erlebt, als es um die unterschiedliche Bewertung von ein und dem selben Gut, von ein und dem selben Unternehmen ging.

Bei Investitionsüberlegungen ist auch das jeweilige Risiko zu beurteilen und abzuwägen. Logischerweise lohnt sich eine Investition bei höherem Risiko nur, wenn auch der entsprechende Return höher ausfällt. Auch alle Nichtmanager – und das ist der Grossteil der Bevölkerung - stehen sehr oft vor folgender Rendite-Risiko-Entscheidung. Alles Geld, das wir verdienen, wird laut volkswirtschaftlicher Ausdrucksweise «konsumiert» oder «gespart». Gespart werden kann heutzutage in vielerlei Formen: typischerweise hat ein Sparbuch mit wenig Risiko geringe Zinsen, Anleihen haben mit mehr Risiko höhere Zinsen und Aktien liefern mit noch höherem Risiko noch höhere Gewinne. Während es in den letzten Jahrzehnten immer ein Auf und Ab an den weltweiten Finanzmärkten gegeben hat, wurde noch jede Schwächephase der Weltwirtschaft und damit auch der Kapitalmärkte aufgeholt: sei es der Börsencrash von 1929, der Zweite Weltkrieg oder der Börsencrash von 1987. In den letzten Jahren haben wir jedoch Übertreibungen gesehen, die uns zum Nachdenken anregen müssen:

- Auf der einen Seite sind die Aktienmärkte von 1998 bis Mitte 2000 durch einen noch nie da gewesenen Boom innerhalb kürzester Zeit auf breiter Front gestiegen, ausgelöst v.a. durch die Internet-Euphorie. Die «New Economy» wurde das Synonym für diese neuen Unternehmen, die innerhalb kürzester Zeit unglaubliche Börsenbewertungen erhielten. So war das Unternehmen Cisco (ein Netzwerkausrüster für Internet- und Telekommunikationsunternehmen) einige Zeit lang an der Börse mehr wert als Siemens, Deutsche Bank und Allianz Versicherung zusammen.

- Während jeder zweite Amerikaner Aktien besitzt, waren es bei uns im deutschsprachigen Mitteleuropa ca. 4%. Diese Zahl ist um etwa die Hälfte angestiegen (auch ausgelöst durch den enormen Werbeeinsatz bei grösseren Börsengängen wie dem der Deutschen Telekom oder der Telekom Austria). Einen Gewinn für sein Aktien-Investment konnte jeder Aktionär sogar auf Monatsbasis errechnen und entsprechend über ihn disponieren.

- Durch die Desillusionierung der New Economy und die weltweite Schwäche der Old Economy (klassische Rezession) sind jedoch seit Mitte 2000 die Aktienmärkte auf breiter Front kontinuierlich zurückgegangen. Gleichzeitig haben Gier, Unfähigkeit und Unmoral der Manager in erschreckendem Ausmass zugenommen: Unternehmenslenker verdienten oft Hunderte Millionen Dollar durch Aktienoptionen. Selbst bei vorzeitiger Abberufung aufgrund von Erfolglosigkeit wurden enorme Abfindungssummen bezahlt und die jüngsten Bilanzskandale einzelner Unternehmen sowie daraus resultierende, spektakuläre Insolvenzen erschüttern die Kapitalmärkte weltweit.

- Die Terroranschläge im September 2001 haben uns zusätzlich vorgeführt, wie Aktienkurse innerhalb weniger Minuten einbrechen können, wie sich die Weltwirtschaft durch die Globalisierung der Informations- und Kommunikationsströme innerhalb kürzester Zeit nachhaltig verändert und Milliarden Euro an Werten vernichtet werden.

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Materialismus dominiert

Manager sind darauf getrimmt, in Renditeüberlegungen zu denken, Risikoabwägungen zu treffen und nach gewinnorientierten Gesichtspunkten zu investieren. Wem das besser gelingt, der maximiert seinen eigenen Wohlstand schneller und effizienter. Der Materialismus hat hier still und leise eine dominierende Rolle übernommen. Materialismus ist mehr als nur eine Neigung, uns mehr anzueignen als wir brauchen. Er ist eine Weltanschauung, die den materiellen Dingen die zentrale Rolle in unserem Leben zugesteht. Die Werbung dient dabei als wirksame Saat.

Werbefachleute arbeiten damit, ihre Waren als die Antwort auf unsere Wünsche, Bedürfnisse und Ängste zu präsentieren. Einige Spots sind zwar klar: Küchenpapier ist saugstark, und Weichspüler machen die Wäsche flauschig. Aber wie steht es mit der Beziehung zwischen Zahnpasta und Liebe, Kreditkarten und gutem Leben oder zwischen Bier und wirklicher Freundschaft? Unsere Gesellschaft will uns überdies noch mit Gewalt einreden, dass wir nicht nur auch unnötige Dinge besitzen sollen, sondern, dass auch andere wissen sollten, dass wir sie besitzen. Jemand fasste dies einmal so zusammen: «Ich habe mein Leben damit verbracht, Geld auszugeben, das ich eigentlich nicht hatte, um Dinge zu kaufen, die ich eigentlich nicht brauchte, um damit Leute zu beeindrucken, die ich eigentlich nicht mochte.» Und wir sammeln vermeintliche Schätze, die schneller vergehen, als uns lieb ist. Der jüngste Einbruch der Aktienmärkte hat Millionen Aktionären weltweit vorgeführt, wie vergänglich Reichtum ist.

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Bei Gott eine neue Lebensquelle und RoI eröffnen

Häuft keine Reichtümer an!

Vor 2000 Jahren hat ein gewisser Jesus aus Nazareth gesagt: «Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Sie verlieren schnell ihren Wert oder werden gestohlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, die nie ihren Wert verlieren und die kein Dieb mitnehmen kann. Wo nämlich eure Schätze sind, da zieht es euch hin.»[1] Er erläuterte dies am Beispiel von wertvoller und reich verzierter Kleidung (dem Statussymbol damaliger Zeit), die innerhalb kurzer Zeit von Mäusen, Motten und Ungeziefer leicht zerstört werden kann. Unsere Mottenkugeln oder Sicherheitsmassnahmen bewahren uns nicht vor Wirtschaftskrisen und Börsencrashs, die unsere vermeintlichen Sicherheiten ebenfalls über Nacht vernichten. Alle diese Güter sind nicht von Dauer.

Ich habe selbst erlebt, wie ein erarbeiteter Aktienanteil an einer Firma in den letzten drei Jahren von anfangs wenig Wert auf mehrere Millionen Euro stieg und später nur noch wenige Tausend Euro wert war. Ich habe damit selbst schmerzlich erlebt, dass Güter nicht von Dauer sind. Aber ich wusste bereits, wo die wahren Schätze sind. Ein solcher Schatz wurde für mich, mein Leben von Jesus Christus prägen zu lassen. Jesus betont, dass unsere Sehnsucht nach Wärme, Liebe, Sinn und Hoffnung, Freude und bleibenden Werten nur gestillt wird, wenn wir unser Leben nach Gott ausrichten. Ich habe erfahren, dass sich unser Leben in seiner zentralen Frage nicht darum dreht, Besitz zu vermehren, zu erhalten und für die Zukunft vorzusorgen. Nahrung und Kleidung sind zwar wichtig, und die Bibel verurteilt auch nicht, wenn wir für die Familie Vorsorge treffen; aber durch die Bibel wurde mir klar vor Augen geführt, dass die Anhäufung von Besitz dem Leben keine Sicherheit verleiht. Die Bibel gibt mir als Manager und als Führungskraft täglich Antworten auf solche komplexen Fragestellungen.

Aus Verstrickungen befreit

Jemand hat einmal festgestellt, dass die wichtigsten Dinge des Lebens, die unser persönliches Glück ausmachen, nicht käuflich zu erwerben sind: Gesundheit, die grosse Liebe, eine glückliche Ehe, eigene Kinder, Vergebung für unser Fehlverhalten u.a. Die Bibel beschäftigt sich viel mit diesen Anliegen. Die faszinierende Logik, mit der sie uns Menschen als Geschöpfe, als geliebtes Gegenüber eines kreativen Gottes versteht, zeichnet ein ganz anderes Bild von menschlichem Leben, als wir es täglich vor Augen haben. Da steht, dass Gott das Wertvollste, das er hatte, seinen geliebten Sohn Jesus Christus für uns investiert hat, damit wir von unseren Verstrickungen und Verirrungen befreit werden können. Dieser Jesus sagte, dass das Leben in Fülle, das er verspricht, so wertvoll und kostbar ist, dass es sich auszahlt, alles andere dafür zu verkaufen und aufzugeben, nur um dieses Leben mit ihm zu gewinnen.

Es ist sicher ein Risiko, sich auf diese ganz anderen Bemessungsgrundlagen, Wertmassstäbe und Bewertungskriterien einzulassen. Man riskiert den Verlust des alten Ichs – oder besser gesagt des alten Egos – wenn man Jesus in sein Leben einlädt. Er kommt dann auch, wie er es zugesagt hat und fängt an, unser Leben nach seinen – zugegeben sehr radikalen – Massstäben auszurichten. Andererseits, was haben wir schon zu verlieren? Dass Geld und Macht nicht halten, was sie versprechen; dass sie nicht glücklich machen, das haben sie schon bewiesen. Demgegenüber stehen eine ganze Menge Leute (mich eingeschlossen), die versichern, dass sie reicher als je zuvor geworden sind, seit sie ihre Fähigkeiten, ihre Begeisterung, ihr ganzes Leben in die Erlangung der «Himmelsschätze», der echten Schätze, die nicht rosten, investiert haben. Sie versichern, dass sie diese Entscheidung nie bereut haben, weil der «Return» viel höher war, als sie sich vorstellen konnten: der Gewinn an Freude, Zufriedenheit, Liebe, Sinn und Lebensqualität.

Dr. Christoph Senft, A-Angerberg/Tirol
41 Jahre, verheiratet, zwei Töchter
Informatik- und Wirtschaftsstudium, führende Managementpositionen in Deutschland und
Österreich (auch in selbst gegründeten Unternehmen)
seit kurzem Geschäftsführer für "Investment Banking und Venture Capital" in einem Münchner Finanzunternehmen
Referent der IVCG

[1] Matthäus Kapitel 6, Sätze 19-21

Autor: Dr. Christoph Senft

Datum: 06.03.2003
Quelle: Reflexionen

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Menschsein bedeutet, sich von Zeit zu Zeit auf Neues einlassen zu müssen. Für die einen ist das spannend, sie lieben das Abenteuer, das Entdecken und Auskundschaften. Für andere ist es eher anstrengend, sich auf Unbekanntes einzustellen.

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