Erziehung

Kann man Kinder zum Glauben erziehen?

Könne
Kinder zum Glauben erziehen
Helga und Andreas Grützner
Ingrid Senn

n Kinder zum Glauben erzogen werden? Wenn ja, welche Grundsätze sind dabei zu beachten? Und welche Methoden eignen sich nicht. Wir fragten eine PEP4Kids-Trainerin Ingrid Senn aus der Schweiz und das ebenfalls mit PEP4Kids arbeitende Ehepaar Helga und Andreas Grützner aus Deutschland.

Chrischona Panorama: Erziehung zum Glauben – gibt es für Sie ein Schlüsselerlebnis, das ihre Überzeugung zu diesem Thema geprägt hat?

Ingrid Senn: Erziehung zum Glauben – ist das überhaupt möglich? Mit dieser Frage lag ich Gott förmlich in den Ohren, als ich (in der Bibel) auf Jesaja 55,10f stiess: «Gottes Worte bleiben nicht ohne Wirkung!» Ich erkannte mit grosser Freude: Wir dürfen mutig zum Glauben erziehen, Gott sorgt für Frucht. Kinder die zum Glauben erzogen werden, haben eine Hoffnung über den Tod hinaus. Ich denke an einen schwer krebskranken fünfjährigen Jungen, der zu seiner Mutter sagte: «Mama, im Himmel ist eine Tür, da steht mein Name dran.»

Helga Grützner: Es war nicht ein Schlüsselerlebnis, sondern es sind viele kleine Erfahrungen. Angefangen hat es bei uns beiden in einem interessanten und fröhlichen Kindergottesdienst.

Andreas Grützner: Wir sind beide in einer lebendigen evangelischen Kirchgemeinde aufgewachsen und haben dort zunächst als Kinder und später in der Jugendarbeit des Evangelischen Jugendwerkes überzeugende Menschen kennen gelernt, die selbst im Glauben gelebt und damit ihre Begeisterung und ihre Erfahrungen an uns weitergegeben haben.

Welche persönlichen Erfahrungen stehen hinter Ihrem Erfahrungswissen und ihrem Konzept?

Ingrid S.: Kleinere Kinder verstehen einfache biblische Geschichten, die das menschliche Miteinander schildern – auch Wunder – sehr gut. Und sie zweifeln nicht daran. Grössere Kinder und Teenager suchen nach biblischen Wahrheiten im menschlichen Miteinander. Sie wollen einen «alltagstauglichen Glauben». Sie hinterfragen und diskutieren. Damit wollen sie nicht die Eltern in Frage stellen, sondern Lösungen für ihre Lebensfragen und ein Fundament fürs Leben finden. Diese Erkenntnis, die ich durch die Arbeit mit dem PEP-Programm gewonnen habe, hat mir Mut gemacht, echt zu sein und auch zuzugeben, wenn ich keine Antwort auf ihre Fragen habe.

Helga G.: Die eigenen Erfahrungen mit der froh machenden und befreienden Botschaft wollten wir in der Kinder- und Jugendarbeit und ich selbst später in meiner Tätigkeit als christliche Erzieherin bei Kindergartenkindern weitergeben. Später wurde uns dies wichtig in der Erziehung unserer eigenen Kinder.

Andreas G.: Später kam unsere gemeinsame therapeutische Arbeit mit drogen- bzw. suchtabhängigen jungen Menschen dazu. Vor allem in der damit verbundenen Eltern- und Familienarbeit sind uns wichtige Dinge klar geworden, die ebenfalls dazu geführt haben, dass wir den inneren Ruf verspürten, junge Familien zu unterstützen. Daraus ist die von uns gegründete Initiative «family go!» geworden. Später begegnete uns dann das Programm «PEP4Kids», das mittlerweile zu unserem Hauptangebot geworden ist.

Können Kinder überhaupt «zum Glauben erzogen» werden? Wo beginnt die Manipulation, wo fängt die Entscheidungsfreiheit des Kindes zum Glauben an?

Ingrid S.: Die Gefahr der Manipulation besteht dort, wo unser Glaube zur Routine geworden ist. Darum ist es wichtig, dass wir unsere Beziehung zu Gott pflegen. Nur in dieser lebendigen Beziehung erhalten wir die Fähigkeit, unsere Kinder «zur Freiheit im Glauben» zu erziehen. Eltern sollten mit ihren Kindern über ihren Glauben und ihre Wertvorstellungen reden und den eigenen Standpunkt vertreten. Der Glaube muss auch im Alltag sichtbar werden. Das bedeutet auch, sich gegenseitig zu vergeben und neu anzufangen. Eltern sollen ihren Weg mit Gott so gehen, dass die Kinder ihnen nachfolgen können.

Helga G.: Da Kinder noch sehr offen sind für alles, was ihnen angeboten wird, ist die Gefahr der Manipulation gross. Doch Gott ist ein Gott der Liebe und nicht der Manipulation. In Jesus hat Gott uns gezeigt, wie er seine Menschen und besonders die Kinder liebt. Wenn Kinder in dieser Liebe geführt und mit Glaubensinhalten vertraut gemacht werden, wird ein guter Weg für ihr Leben vorbereitet. Dazu gibt es eine bunte Palette von Möglichkeiten. Das wichtigste ist die Zeit, die wir für unsere Kinder einsetzen, um mit ihnen zu reden und ihre Fragen zu beantworten, Familierituale zu entwickeln und zu gestalten und mit ihnen fröhliche Feste zu feiern.
 
Gibt es Erziehungsstile, die besonders geeignet sind, Kindern die Türe zum Glauben zu öffnen?

Ingrid S.: Dazu drei wichtige Worte: Gebet – Beziehung – Vorbild. Unsere Beziehung zu Gott und zum Kind muss gepflegt werden. Die Beziehungspflegemittel sind Wertschätzung, Einfühlsamkeit und Echtheit. Im PEP werden Eltern angeregt, ihren Glauben zu reflektieren und sich zu überlegen:

  • Wo stehe ich in meiner Beziehung zu Gott?
  • Was sind eigentlich meine Werte?
  • Wie lebe ich diese Werte in meinem Alltag?
  • Will ich das, was ich lebe, so meinem Kind mitgeben?
  • Stimmen mein Reden und mein Tun überein?

Helga G.: Ich meine, hier ist der demokratische Erziehungsstil der günstigste. Dort wo ein Kind sich angenommen, geborgen und wertgeschätzt fühlt, ist es leichter, eines Tages eine eigene, positive Glaubensentscheidung zu treffen. Eine partnerschaftlich geprägte christliche Erziehung bedeutet, dass sich beide, Eltern und Kinder, gemeinsam der Führung Gottes anvertrauen. Diese Tatsache kann für Kinder viele Türen zum persönlichen Glauben öffnen.
 
Eine Vertrauensbeziehung zum Kind aufbauen – oder Grenzen setzen, was ist letztlich entscheidend, dass das Kind sich zum Glauben entscheiden kann?

Ingrid S.: In einer positiven Erziehung gehört beides zusammen. Ein Kind braucht Liebe, Struktur und Grenzen. Das gibt ihm Sicherheit. Dann wird es immer mehr eigenverantwortlich leben, handeln und glauben können. Wo eine Vertrauensbeziehung besteht, kann ein Kind auch gesetzte Grenzen ernstnehmen und einhalten. Trotz allen Anforderungen dürfen Eltern gelassen bleiben. Wenn Gott uns Kinder anvertraut, dann schenkt er uns auch die Gabe, sie ins Leben zu begleiten.

Andreas G.: Vertrauensbeziehung und Grenzen setzen sind doch keine Gegensätze! – Ein Grundsatz der von uns und zahlreichen anderen Trainern in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführten PEP4Kids-Elternseminare lautet: «Erziehung beginnt immer mit Beziehung!» – Daraus folgt: Je besser die Beziehung zwischen Eltern bzw. Erziehenden und Kindern ist, desto eher gelingt auch Erziehung.

Helga G.: Zu alle dem gehören Werte, Regeln, eigenes Vorbild, Konsequenz in Lob und Tadel – und wenn es sein muss auch in angemessenen und das Kind zu positiven Verhaltensänderungen ermutigenden Sanktionen. Aber vor allem ist wichtig, dass Eltern Kindern vermitteln, dass Gott uns alle, Eltern und Kinder, bedingungslos liebt, nicht nur und nicht erst dann, wenn wir so sind, wie wir sein sollten. Und dazu gehört auch, dass junge Familien mit ihren Kindern in eine lebendige und familienfreundliche christliche Gemeinde eingebunden sind. Dort können sie ein soziales Umfeld erleben, in dem sie als Familie – auch mit manchen Spannungen, die zur Erziehung immer dazugehören – gemeinsam geborgen sind. Und dort erhalten sie Hilfen und Anregungen, ihr Familienleben so zu gestalten, dass es Kindern und Eltern Freude macht, Familie zu sein.

Was ist PEP?

Die sieben Basics von PEP lauten:

1. Bejahe deine Zuständigkeit und sei deinem Kind ein verlässlicher Partner.
2. Fördere eine positive Beziehung in der Familie.   
3. Fördere verbindliche Absprachen und sei konsequent.
4. Lebe deine Wertvorstellungen und deinen Glauben.
5. Hilf deinem Kind bei der sicheren Bewältigung des Alltags.
6. Achte auf dich selbst.             
7. Bleibe in deinen Erwartungen realistisch.

Zu den Personen

Ingrid Senn, verheiratet mit Max, zwei Söhne (17, 20) ist Begleitende Seelsorgerin BCB und zertifizierte PEP4Kids und PEP4Teens-Trainerin. Sie wohnt in Rupperswil (CH).

Andreas (60) und Helga (56) Grützner, verheiratet seit 1975, drei erwachsene Kinder, drei Enkelkinder, sind Kursleiter für das PEP4Kids-Programm. Beide haben eine langjährige gemeinsame Tätigkeit in einer Drogentherapieeinrichtung hinter sich. Helga ist Erzieherin, Andreas Religionspädagoge. Aktuell ist er hauptberuflich Unternehmensberater.

Webseiten:
PEP4Kids
PEP4Teens
Chrischona Panorama

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Datum: 06.05.2011
Quelle: Chrischona Panorama

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