Alkoholprobleme

Kinder alkoholabhängiger Eltern sollen Hilfe finden

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Kinder alkoholabhängiger Eltern sollen leichter Hilfe finden können. Sucht Schweiz hat daher ein Gesprächsforum für Kinder alkoholabhängiger Eltern lanciert. Auch das Blaue Kreuz bietet betroffenen Kindern Unterstützung an.
 
Mehrere Zehntausend Kinder wachsen in der Schweiz mit einem alkoholabhängigen Elternteil auf. Meist leiden diese Kinder an fehlender Sicherheit, Schuldgefühlen und daran, dass in der Familie die Alkoholkrankheit verleugnet wird. Oft stehen sie mit ihren Gefühlen der Scham, Wut oder Angst alleine da. Im Vergleich zu Kindern aus Familien ohne Alkoholprobleme tragen sie zudem ein sechsfach höheres Risiko, später ein Suchtproblem oder psychische Beschwerden zu entwickeln, hat Sucht Info Schweiz festgestellt. Es sei aber oft nicht einfach, solche Kinder zu erreichen, stellte dazu der Psychologe Mike Neeser von der Fachstelle für Suchtprävention des Blauen Kreuzes gegenüber Livenet fest.

Nationale Weiterbildungs- und Austauschplattform

Sucht Schweiz sensibilisiert seit 2004 nicht nur die breite Öffentlichkeit für diese gesellschaftliche Problematik, sondern auch Fachleute, die sich für Kinder alkoholabhängiger Eltern engagieren. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat im Rahmen des Nationalen Programms Alkohol (NPA) Sucht Schweiz 2010 beauftragt, eine Austauschplattform für Leitende von Projekten für Kinder aus alkoholbelasteten Familien ins Leben zu rufen. Das Ziel ist, Unterstützungsangebote für betroffene Kinder und deren Eltern zu entwickeln.

Doppeltes Tabu

Auf die Situation betroffener Kinder aufmerksam zu machen tut Not, stellte die Austauschplattform jetzt in Bern fest, denn Eltern verleugneten oft ihre Krankheit sowie deren Einfluss auf die Kinder, und sie holten sich keine Unterstützung für ihre Kinder. Zu gross sei die Angst, als schlechte Eltern zu gelten. Anders als für Erwachsene gebe es für Kinder erst wenige Hilfsangebote. In den Fachstellen würden sie in der Regel als Kinder der Patienten und Patientinnen mit einem Alkoholproblem wahrgenommen.

Möglichst viele Kinder erreichen

Um besser an die Kinder heranzukommen, hat Sucht Schweiz eine neue Internetseite mit einem Gesprächsforum für betroffene Kinder aufgeschaltet. Mit dem Forum können sich Heranwachsende untereinander austauschen, und dies auf anonyme Weise“, erklärte dazu in Bern Marion Forel, Präventionsfachfrau von Sucht Schweiz, welche die Internetplattforum konzipiert hat.

Für 8- bis 12-Jährige und 13- bis 20-Jährige

mamatrinkt.ch und papatrinkt.ch lauten die beiden Internetseiten, die Informationen bereitstellen und einen Austausch ermöglichen. Die 8- bis 12-Jährigen sowie die 13- bis 20-Jährigen finden je einen separaten Bereich vor. Wichtiges Ziel war, die Seite so attraktiv wie möglich zu gestalten, damit die jungen Internetsurfer ein ihren Erwartungen entsprechendes modernes Kommunikationsmittel antreffen. Informationen, Tipps, Antworten auf häufig gestellte Fragen und Erlebnisberichte sollen ihre Situation verständlicher machen. Von 8 bis 21 Uhr moderieren Präventionsfachleute von Sucht Schweiz täglich die Gesprächsforen, sie beraten und geben ergänzende Informationen. Ein besonderes Anliegen sei es auch, die jungen Internetsurfer mit entsprechenden Sicherheitsmassnahmen zu schützen.

Die Probleme alkoholabhängiger Eltern

Die Haupterfahrung, die Kinder von alkoholabhängigen Eltern machen, sei die Instabilität und Unberechenbarkeit der Verhaltensweisen der Eltern, so Mike Neeser vom Blauen Kreuz. Gewaltanwendung und Liebe gegenüber dem Kind wechselten oft ohne erkennbaren Grund – auch zwischen den Elternteilen. Zudem komme es in Phasen der Nüchternheit oder von Seiten des nichtabhänigigen Elternteils zu Überkompensationen, zum Beispiel zu Überbehütung oder Verhätschelung. Hoch sei auch das Risiko, dass die Kinder selbst ein Suchtverhalten entwickelten. Neeser schätzt, dass ca. 33 - 40% der Kinder aus alkoholbelasteten Familien selbst von einem Suchtmittel abhängig würden.

Das Blaue Kreuz im Kanton Bern bietet daher Kindergruppen für Kinder alkoholabhängiger Eltern an. Dort werden Resilienzen und Schutzfaktoren der Kinder gefördert. Die Kinder erfahren mehr über Alkoholabhängigkeit, Beziehungsfähigkeit, soziale Netzwerke und Eigeninitiative. Die Kontaktperson ist Alexandra Landolt.

Datum: 15.04.2011
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Sucht Schweiz / Livenet

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