Ausgeklügelte Schöpfung

Wüstentiere trinken Nebel

Es gibt Wüstentiere, die ihren Wasserhaushalt dadurch bestreiten, dass sie Tautropfen einsammeln können, die sich am frühen Morgen in der Luft ansammeln. Sie haben sonst nichts zu trinken, können sich aber auf diese Weise mit einem Kanalsystem auf Haut oder Flügeldecken über Wasser halten.
Dornteufel
Nebeltrinker

Er ist keine Schönheit, der «Dornteufel». Und sein wissenschaftlicher Name «Moloch horridus» trägt auch nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Bei genauerem hinsehen entpuppt sich dieses 20 Zentimeter lange Wesen jedoch als Wunder der Schöpfung. Ohne sein Stachelmeer würde dieses Wüstentier sogar verdursten: die Spitzen sind Kondensationspunkte für Wassertröpfchen. Diese Wasserhäppchen werden über ein ausgeklügeltes Kanalsystem zum Maul geleitet.

Mit einem ähnlichen System aus Erhebungen und Rinnen ausgestattet ist der in namibischen Trockengebieten lebende «Nebeltrinker-Käfer». Das mit wissenschaftlichem Namen «Stenocara» genannte Insekt entzieht dem Wind mit seinen Flügeln Feuchtigkeit, die nach dem gleichen System wie beim Dornteufel als Trinkwasser gesammelt und zum Mund geführt wird.

Über die beiden Wüstentiere sprachen wir mit dem Biologen Reinhard Junker, Mitarbeiter der Studiengemeinschaft «Wort und Wissen».

Reinhard Junker, wie funktioniert dieses Flüssigkeits-System?
Reinhard Junker: Die Flügeldecken des Stenocara sind besonders strukturiert. Dort wo dieses Tier lebt, ist es grässlich trocken, die einzige verfügbare Flüssigkeit sind kleinste Nebeltröpfchen.

An winzigen Erhebungen der Flügeldecken können diese Tautröpfchen kondensieren und sich sammeln, bis sie so gross sind, dass sie seitlich herunterkullern. So gelangen sie in mit Wachs ausgekleidete Miniatur-Kanäle. Durch den Kapillareffekt fliessen sie zum Mund des Käfers. Er kann also schön abwarten, bis ihm das Wasser in den Mund läuft. Es ist nicht vorstellbar, wie sich ein solches Kanalsystem von selbst entwickeln soll, denn es kann nicht kreuz und quer verlaufen, sondern muss ausgeklügelt sein.

Die ganzen Flügeldecken sind damit durchsetzt, so dass insgesamt die ganze Flügeldecke benutzt werden kann, um Tautröpfchen zu sammeln, die über das Kanalsystem zum Maul des Käfers geführt werden.

Beim Dornteufel und beim Stenocara handelt es sich um ein detailliertes Grundsystem, das auf Körperbedeckungen zweier Tiere verwirklicht wurde, die nicht miteinander verwandt sind.

Und das könnte sich nicht durch die Evolution so ergeben haben?
Es ist eine äusserst ausgeklügelte Einrichtung, die sehr viel Feinarbeit braucht. Die Grössen müssen ebenso stimmen wie die Kanaldurchmesser, die Wachsauskleidung und die kleinen Hubbel, an denen das Wasser gesammelt wird. Diese aber dürfen nicht mit Wachs ausgekleidet sein. Das gleiche gilt für das System, das alles zusammenführt, damit es beim Maul endet – auch bei diesem System müssen sehr viele Details gleichzeitig vorhanden sein. Vorstufen können da nicht funktionieren. Da wäre der Käfer längst verdurstet, wenn er sich das hätte allmählich erwerben sollen. Es ist ein System, bei dem gilt: alles oder nichts.

Datum: 11.09.2013
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch

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