Jesus und Religion

Ein Weg zur Vollkommenheit?

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Religionen verstehen sich als Wege, wie der Mensch an sich arbeiten und sich bessern kann. Und hat nicht auch Jesus einen Weg zur Vollkommenheit aufgezeigt? Ist er nicht gerade deshalb gekommen und Mensch geworden?

Opfer, Gebete, religiöse Übungen sollen den Menschen in den verschiedenen Religion einen Weg zu Gott zeigen - und zur eigenen Vollkommenheit. Der christliche Glaube dagegen ist kein Programm, um Menschen vollkommen zu machen.

Denn Jesus suchte vor allem die Nähe zu denen, die schon gescheitert waren und keine Chance mehr hatten: unheilbar Kranke, Betrüger, Verbrecher, Huren, Verachtete - Menschen, mit denen sich andere nicht einmal sehen lassen wollten.

Er kam für Schwache und Kranke

Als Jesus darauf angesprochen wurde, warum er mit so fragwürdigen Leuten zusammen war, antwortete er: «Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Begreift doch endlich, was Gott meint, wenn er sagt: Nicht auf eure Opfer oder Gaben kommt es mir an, sondern darauf, dass ihr barmherzig seid. Ich bin gekommen, um Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, die ohne ihn leben ...» Matthäus-Evangelium, Kapitel 9, Verse 12-13.

Jesus kommt zu den Kranken und zu denen, die schuldig wurden. Das ist seine Mission. Und sein erstes Ziel ist es, ihnen zu begegnen, ihnen zu zeigen, dass er sie liebt, und nicht, um «bessere» oder gar moralisch vollkommene Menschen aus ihnen zu machen.

Muss man erst am Boden liegen?

Heisst das nun, dass Jesus uns erst ganz unten sehen muss, bevor er sich gnädig zu uns herabbeugt und uns wieder aufhilft? Muss man sich erst schlecht und schwach fühlen, bevor man Jesus begegnen kann?

Es ist nicht so, dass Jesus das braucht, dass wir uns schlecht fühlen. Das ungute Gefühl kommt ganz von selbst, wenn wir uns der eigenen Schuld und Fehler bewusst werden. Wir kommen ehrlich, machen uns selbst und anderen nichts mehr vor und suchen Hilfe. Und genau darin liegt unser Ausweg.

Kein Club der guten Menschen

Es gibt Menschen, die halten sich für so schlecht, dass sie denken, sie hätten auch bei Jesus keine Chance mehr. Doch das stellt das, was Jesus wollte, völlig auf den Kopf. Besonders wer meint, er sei ja im grossen und ganzen o.k., der steht in der Gefahr, an Jesus vorbeizugehen.

Wer unter den Christen einen Club der besseren Menschen versteht, der hat die Botschaft von Jesus nicht verstanden. Wir sind Jesus näher, wenn wir ihm unsere Schuld bringen, als wenn wir uns auf unsere Verdienste und guten Taten berufen.

Unterschied zwischen Tat und Täter

Jesus ist zu etwas imstande, was die meisten Menschen nicht oder nur sehr schwer schaffen: Er hasst Sünde, sieht glasklar ihre zerstörerische Kraft, aber er liebt von ganzem Herzen die sündigen Menschen, und zwar mitsamt ihren Fehlern und ihrem Schrott. Wir lehnen andere, oft sogar uns selbst ab, wenn wir Fehler und die Schuld sehen. Aber bei Jesus ist das anders.

Ja natürlich, Jesus ruft uns zu einem guten Lebenswandel auf und will uns auch dabei helfen, aber das ist nicht seine erste Botschaft. Er liebt einen Menschen nicht erst dann, wenn er sich gebessert hat und etwas vorweisen kann.

Vollkommenheit durch Jesus

Vollkommenheit ist nicht etwas, was man erreichen soll, um Jesus zu gefallen und vor ihm zu bestehen. Vollkommenheit ist das, was Jesus jedem Menschen gibt, der ihm sein Leben anvertraut. Wer zu Jesus kommt, den schaut er an und behandelt ihn so, als wäre er längst schon vollkommen.


Autor: Norbert Abt
Quelle: Jesus.ch

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