Weihnachten im Irak

Möglichst unauffällig und hinter Beton

Mit der Geburt von Jesus vor zweitausend Jahren verbinden sich vor allem zwei Zusagen: Dass der Retter kommt und dass er der Welt Friede geben will. Doch im Irak erleben Christen das diesjährige Weihnachtsfest in einem Klima der Angst. Viele sind in den von Kurden verwalteten Norden Iraks oder ins Ausland geflohen.

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Klima der Angst: Die irakische Stadt Mosul, im Vordergrund der Tigris.
In die neu gebildete irakische Regierung unter Ministerpräsident Al-Maliki haben die Christen kaum Vertrauen. Sie glauben nicht, dass für ihre Sicherheit ausreichend gesorgt wird. Seit einem verheerenden Attentat von Al-Kaida-Terroristen auf eine Kirche in Bagdad Ende Oktober ist die Situation für die Christen unerträglich geworden.

Trauer statt Weihnachtsfest

Um ein Mindestmass an Sicherheit für die Christen zu gewährleisten, liess die Regierung vor einigen Kirchen bis zu drei Meter hohe Betonmauern bauen. Die Gläubigen sollen sich auf Bitte der Regierung in den christlichen Zentren Basra, Bagdad, Mossul und Kirkuk an Weihnachten nur kurz zum gemeinsamen Gebet versammeln und ansonsten auf Feiern verzichten.

«Dieses Jahr gibt es keine echte Feier, nach allem was passiert ist. Wir machen nichts Besonderes. Wir teilen die Trauer jener Christen, die so schlimmes ertragen mussten.» So drückt es ein Vertreter der christlichen Gemeinschaft im Land aus. «Es gibt keine christliche Familie, die derzeit nicht den Irak verlassen will», so ein Sprecher der Christen.

Gewalt und Koran

Bei einer Geiselnahme islamischer Terroristen in einem Gottesdienst am 31. Oktober kamen 58 Menschen um. Die Täter zitierten vor dem Zünden ihrer Sprengstoffgürtel Koranverse. Seit der Gräueltat trauen sich Christen kaum noch einen Gottesdienst zu besuchen.

Zuletzt forderte der deutsche Aussenminister einen besseren Schutz der Christen im Land: «Die Sicherheitsbedingungen für die Christen vor Ort müssen verbessert werden», so Guido Westerwelle. Er traf im Dezember Vertreter der irakischen Regierung und christliche Geistliche in der deutschen Botschaft.

«Exodus der Christen»

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR ist besorgt über die anhaltende Abwanderung von Christen aus dem Irak und spricht sogar von einem «Exodus». Sie fordert ein Ende der Abschiebungen asylsuchender Iraker. Sie sollten entweder entsprechend der Flüchtlingskonvention von 1951 unter internationalen Schutz gestellt werden oder einen entsprechenden Rechtsstatus erhalten. Den Angaben zufolge waren am 15. Dezember zwanzig Iraker aus Schweden zur Rückkehr nach Bagdad gezwungen worden, darunter mehrere Christen.

Die Bibel und der Irak

Seit dem Einmarsch der US-Truppen 2003 schwindet die Zahl der Christen im Irak dramatisch: Von den geschätzten 1,2 bis 1 Million Christen im Jahr 2003 leben heute nur noch 300.000 bis 500.000 im Irak. Seit 2000 Jahren leben Christen im Irak und verstehen sich als Nachfahren der Ureinwohner des Landes.

Viele Personen und Handlungen der Bibel verbinden sich mit dem Irak: So zum Beispiel die Stadt Ur im Süden Iraks; sie ist die Heimat von Abraham. Ninive, es liegt gegenüber von Mosul am Tigris, ist die Stadt, in der die Menschen nach der Predigt von Jona um Vergebung baten und wieder zum Glauben an Gott fanden.

Zum Thema:
Das Weihnachtsdossier von Jesus.ch

 

Datum: 25.12.2010
Autor: Norbert Abt

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