Michael Krich

Sehnsucht nach Leben

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Michael unterwegs.
Die Suche nach Sinn beschäftigte Michael Krich (35) lange. Der Hunger nach Leben trieb ihn an, doch weder Partnerschaften, Drogen noch Religion gaben ihm, was er suchte. Leere und Depression wuchsen stattdessen in ihm, bis er versuchte, sich das Leben zu nehmen. Doch dann macht er eine Erfahrung, die alles verändert. Er lernt Jesus kennen.

Eigentlich bin ich religiös aufgewachsen, doch Religion brachte mich unter Druck. Die unterschiedlichen Vorstellungen von Eigenaktivität und Leistung und der Versuch, religiöse „Gesetze“ einzuhalten, machten mich kaputt, denn ich wusste, ich kann das ersehnte Ziel nie erreichen. Religion sagte mir, was ich tun musste, und ich konnte immer weniger zu mir stehen, wie ich wirklich war.

Auf der Suche nach Liebe

Auch meine Partnerschaften erfüllten mich nicht. Ich war verheiratet und hatte danach etliche Beziehungen, die alle früher oder später in die Brüche gingen. Mein Herz war in Fetzen gerissen. Durch mein Helfersyndrom zog ich immer Partnerinnen an, die selbst Probleme hatten und die auch mir nicht gut taten. Es waren absolut destruktive Beziehungen. Ich brauchte jemanden, um den ich mich kümmern konnte, - das definierte meinen Selbstwert. Und gegenseitig brauchten wir uns, um unseren leeren Liebestank zu füllen, was natürlich nicht funktionierte. Kein Mensch kann rund um die Uhr, in gleicher Intensität Liebe geben. Zumal, wer sich selbst nicht liebt, was will er dann bitte weiter geben?

Von den meisten meiner Partnerinnen wurde ich früher oder später betrogen. Aus Angst vor weiterer Verletzung liess ich sie im Stich. Und in der nächsten Beziehung ging alles von vorne los. Ich wurde im Wechselspiel hörig und gab mich fast selbst auf, nur um geliebt zu werden. Ein absolut masochistisches und dreckiges Spiel mit Herz, Gefühlen,

Geist und Verstand. War ich dann mal „stark“, spielte ich umgekehrt ein ähnliches Spiel mit meinen Partnerinnen. Ich war quasi Beziehungs-abhängig. Hundert prozentige Liebe und Annahme fand ich aber nicht.

Auf den Abgrund zu

Aus meiner Ehe habe ich zwei Kinder. Ich hatte keinen Kontakt mehr zu ihnen. Die Sehnsucht nach ihnen verzehrte mich. Ich war kaputt, schon lange arbeitslos und hatte keine Aussicht darauf, noch mal „normal“ leben zu können oder das innere „schwarze Loch“ wegzubekommen. Ich war ein Niemand und ich ertrug die ganze Last und den Schmerz nicht mehr. Die geistigen und seelischen Wunden, die ich mir über die Jahre zugezogen und ausgeteilt hatte, frassen mich auf. Ich wollte mir das Leben nehmen. Doch die Selbstmordversuche scheiterten, fünf Mal landete ich in psychologischen Anstalten und ambulant besuchte ich nach den Entlassungen rege die Therapien. Geholfen hat mir keine davon. Sie erklärten mir Verhaltensmuster, aber halfen mir nicht heraus. Meine Entwicklung lief in die falsche Richtung und die Last erdrückte mich schier.

So flüchtete ich in immer toxischere Arten der Betäubung. Ich wurde tatsächlich drogenabhängig. Mein täglicher Kampf bestand darin, nach aussen hin die Fassade der heilen Welt aufrecht zu erhalten. In Wirklichkeit verstrickte ich mich in Beschaffungskriminalität und verkroch mich mit Gleichgesinnten in kleine abgedunkelte „Löcher“, wo wir uns effektiv den Verstand ausknockten.

Ich wusste, ich bin abhängig, nach Chemie, Sex und Alkohol – und alleine würde ich da nicht mehr rauskommen. Ich wusste auch, dass es mich vorzeitig das Leben kosten würde, wenn ich damit nicht aufhörte. Ich war verloren. Die Sehnsucht nach Leben und Liebe zerrte an mir, und die Last der eigenen Misserfolge erdrückte mich. Immer wieder kamen in mir Sätze hoch: „Mach Schluss, Du bist nichts wert, schau wo Du Dich hinmanövriert hast. Du kommst da nie mehr raus. Du bist weniger wert als Dreck.“ Depression um Depression, die mich, nach dem kurzweiligen Hochgefühl durch Drogen, gnadenlos in ein Loch stürzte.

Dem Tod auf der Schippe

Es war nach einer dieser „Drecksaupartys“, wie wir sie nannten. Fette Anlage, DJs, Drogen von Pilzen, Speed, Kokain, LSD, Exstasy bis hin zu Shit. Ich hatte mich mal wieder mit meiner Freundin verkracht und mit ihr Schluss gemacht. Ich kniete in meinem Zimmer und wusste nicht, wie ich den Schmerz abstellen kann. In mir war nur noch ein entsetzlicher Schrei. Ein Schrei, der mein ganzes Elend zusammengefasst nicht ausdrücken konnte.

In solchen Momenten kam auch meine Sehnsucht nach meinen Kindern wieder hoch, meine Ängste, einfach alles. Die Drogen hörten auf zu wirken, ich fiel und knallte hart auf. Wieder kamen diese Stimmen: „Dein Leben ist nichts wert. Du bist es nicht wert. Du verdienst es nicht, geliebt zu werden. Beende dein Leben, du kommst da nie mehr raus.“ Ich hasste mein Leben abgrundtief, war verzweifelt, haltlos, und ich spürte das Todestal in dem ich mich geistig befand. Die Dunkelheit, diese dunkle Kälte in mir und um mich. Alleine. Einsam.

Licht im Dunkeln

In meiner Verzweiflung schrie ich zu Jesus. Ich wagte nicht, seinen Namen auszusprechen, aber ich wusste, nur er kann mir helfen. Ich hatte ein paar Tage zuvor „Die Passion Christi“ gesehen und war davon so berührt gewesen, dass mir die Tränen wie Bäche aus den Augen liefen. Und die Stimmen hatten sich wieder gemeldet: “Du bist wertlos und kaputt. Gott hat Dich verdammt, Du fährst so oder so in die Hölle.“

Aber jetzt schrie ich zu Jesus. Dass er sich erbarmt und mich rettet, dass ich so nicht mehr kann und will, dass ich da nicht mehr raus komme! Und plötzlich nahm ich Wärme in meinem kalten Herzen wahr. Licht in diesem schwarzen Dunkel. Etwas Lebendiges in das Tote kommend. Und nicht akustisch hörbar, aber im Herzen wahrnehmbar, eine Stimme: „Michael, möchtest Du Leben, ein wirklich lebenswertes Leben? Oder willst Du tatsächlich sterben?“

Ich war hin und her gerissen. Zweifel und Misstrauen kamen auf, weil ich wusste, dass ich es nie alleine schaffen würde. Und ich sagte: „Schau doch, wo ich mich hin manövriert habe. Nur noch du kannst mir da raus helfen. Nur du kannst mein Leben verändern – wenn Du es möchtest. Ich weiss, ich verdiene es nicht, ich habe mich da selbst hingebracht. Vergib mir und bitte errette mich.“ Ich hörte nichts mehr, wurde aber ruhiger.

Angenommen

Was in diesem Augenblick passiert ist, ist rational nicht erklärbar. Doch ich wusste, dass da Jesus in mein persönliches Elend kam und mir Aussicht auf Hoffnung und Leben anbot. Gott hatte meinen Hilfeschrei gehört. Ich hatte den wertvollsten Schatz gefunden. Ich war nie fromm gewesen oder hatte mir das verdient. Im Gegenteil. Ich war einer der Kaputtesten. Ich hatte Gott einzig und allein gebeten, dass er mich da raus führen soll. Und er hat es getan.

Ich hatte nie daran geglaubt, dass sich Gott für mich interessiert. Und auch nicht, dass er es schafft, mich wieder auf einen guten Kurs zu bringen. Es ist ein Prozess, der wohl mein Leben lang andauern wird. Ich werde auch immer wieder Fehler machen. Ich bin eben ein Mensch, also nie vollkommen gut. Aber es ist okay, wie ich bin. Gott, zu dem ich heute Papa sagen darf, weiss um meine Schwachheit, er kennt mich schliesslich durch und durch. Aber er will in mir stark werden mit seiner unendlichen Liebe.

Rückblickend kann ich nur sagen: „Es gibt keinen einsameren und dunkleren Ort als ein Herz, in dem der dreieinige Gott nicht wohnt!“ Seit nun einem Jahr und 8 Monaten bin ich frei von Beziehungssucht und nun glücklicher Single. Und eben so lange auch frei von Drogen. Bis vor zwei Jahren hätte ich mir diesen Zustand nie vorstellen können. Endlich bin ich angekommen. Daheim. Seit dieser Begegnung spüre ich Halt, Sinn, Identität und Richtung. Ich bin endlich hundert Prozent angenommen und geliebt, wie ich wirklich bin. Danach hatte ich so lange gesucht.


Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch